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Dahab Reef Monitoring 2007 - 17.8.- 8.9.2007
Der Wissenschaftler Christian Alter vom Red Sea Environmental Centre (RSEC) in Dahab hat ein Reef-Monitoring-Programm entworfen, welches auf der Standard-Reef-Check-Methode basiert. Dieses erweiterte Reef-Check-Protokoll, momentan umgesetzt im „Dahab Reef Monitoring“, hat einen höheren Anspruch sowohl an qualitativen als auch an quantitativen Informationen in ausgesuchten Riffgebieten zum Ziel. Kurz, die Erhebung von Fischen und Invertebraten (wirbellose Tiere), beinhaltet zusätzliche Indikator-Arten und die Substrat-Erfassung weist eine Diversifikation von über 30 Kategorien auf.
Eine vierte Erhebung, Korallenschäden betreffend, enthält umfangreiche Daten über Verletzungen an Korallen, die natürlich entstehen (z.B. durch Korallen fressende Schneckenarten), aber auch menschliche Ursachen haben, wie das Abbrechen und Abschürfen von Korallen.
Die Datenerfassung für die Erhebung wird von Freiwilligen, meist Studenten der Biologie oder diplomierte Biologen, durchgeführt. Die Freiwilligen werden für die Bestimmung von Indikator-Organismen und den unterschiedlichen Arten von Schäden an Korallen geschult. Am Ende dieses 4 Tage dauernden Trainings, müssen die Teilnehmer zur Qualitätssicherung, ihr Erlerntes in mehreren Tests beweisen.Das Training für das Dahab Reef Monitoring 2007 begann am 17. August mit der ersten Einführung in die Theorie. An den ersten Tagen ging es primär darum, die Indikatoren wie auch verschieden Schäden an Korallen inklusive wichtiger Korallengattungen zu erlernen und unter Wasser identifizieren zu können Am dritten Tag übten wir unter Wasser das erste Mal mit einen Übungstransekt. Am Ende des Trainings Tag gab es die Tests, um zu kontrollieren, ob jeder die Indikator-Organismen identifizieren kann.
Die eigentliche Erhebung startete am 21. August in Abu Helal, einem Tauchplatz nördlich von Dahab. Während der kommenden Wochen waren wir an unterschiedlichen Tauchplätzen rund um Dahab und deckten dabei die wichtigsten Tauchplätze mit unseren Riffuntersuchungen ab.
Wir besuchten dabei auch das phantastische Blue Hole mit seinen steil abfallenden Wänden und wir besuchten Shaab Said, ein Tauchplatz, der nur selten von Tauchern frequentiert wird. An letzterem findet man zahlreiche enorme Korallenblöcke, welche noch immer in gutem Zustand sind. In Gabr el Bint erwartete uns eine große Überraschung – ein riesiger Walhai schwamm genau in dem Moment vorbei, als wir unseren Transect beendeten. Dies war nicht der einzige phantastische Besucher während des Reef Checks, bei den Golden Blocks schwebte ein Manta-Rochen direkt über unseren Köpfen.
Aber wir hatten nicht immer nur gute Begleiter; eines Tages durchtrennten einige Taucher unsere Transect-Leine und versuchten sie zu entwenden. Doch wir konnten sie einholen und bekamen unsere Leinen zurück.
Meist bekamen wir aber ein sehr positives Feedback von Tauchern und auch von den einheimischen Diveguides.
Am Dahab Reef Monitoring teilzunehmen war wirklich eine gute Erfahrung und alle von uns lernten viel über das marine Leben und wie es zu schützen ist! Wir sind sehr glücklich, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten, Sinais einzigartige Umwelt schützen zu helfen.
Teams:
Korallenschäden: Barna Kasiba und Nina Milton (Österreich, Norwegen)
Fische: Claudia Pogoreutz und Julia Schnetzer (Österreich, Deutschland), Vicky und Tobias von Mach (Deutschland)
Invertebraten (Wirbellose): Katja Trübenbach und Susi Greiner (Deutschland, Österreich), Laurant Guyard und Kevin Lee Payne (Frankreich, Südafrika)
Substrate: Team-Wissenschaftler Christian Alter (Deutschland) und Dr. Alexander Keck
GPS und Vorbereitungen: Karsten Block und Marie-Kristin Fonfara (Deutschland)
Autoren: Julia Schnetzer / Nina Milton |
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1. Bootstour nach Gabr-el-bint |

2. Bootstour nach Gabr-el-bint |

Beim 1.Übungstransect |

Volontäre beim Abschlusstest |
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Extreme Ebbe verursachte natürliches Korallensterben am Sinai
Extreme Gezeiten sind eine der voraussagbarsten natürlichen Einflüsse auf ein Korallenriff. Sie bestimmen die Zonierung im Litoral (Strandzone, Riffdach) und begrenzen das vertikale Korallenwachstum, aber verursachen selten ein Massensterben der Korallen. Das Trockenfallen des Riffdaches können Korallen eine gewisse Zeit überstehen, in dem sie vermehrt Schleim (Mucus) produzieren. Allerdings kann das Zusammenfallen von durch die Planetenkonstellation verursacht extreme Ebben und starke Einstrahlung der Sonne um die Mittagszeit weit verbreiteten Schaden unter Korallen verursachen. Eine Untersuchung von dem Größen Barriere Riff in Australien ergab eine Schädigung von 40-75 % der Korallen auf dem Riffdach. Ein ähnliches Phänomen beobachteten wir Ende März in Dahab. An vier aufeinander folgenden Tagen (19.-22.), trafen absolute Windstille mit extremer Ebbe um die Mittagszeit und damit verbundener hoher Sonnenstrahlung zusammen. Durch die Windstille gab es keine Wellen und Spritzwasser, die die Austrocknung der Korallen verhindern bzw. den Einfluss der Strahlung vermindert hätte können. Das Korallensterben auf Riffdach beobachteten wir an allen von uns untersuchten Standorten in Dahab. Wahrscheinlich sind durch diesen natürlichen Einfluss die ganzen Küstenbereiche des Golfes von Aqaba betroffen gewesen. Durch das Ereignis sind viele kleinere Korallenkolonien vollkommen abgestorben, während größere Kolonien zumeist teilweise noch lebende Bereiche zeigten. Bei diesem Prozess löste sich das Korallengewebe, meist zuerst an den äußeren Stellen der Skelettwand, ab und legte so dieses frei. Teilweise hing das Gewebe noch in Fetzen an der Koralle und wurde dann weggespült. In der Öffnung, in der der Korallenpolyp sitzt waren noch Gewebsreste zu erkennen. Die oberen Bereiche der betroffenen Kolonien waren durch die längere Exposition stärker beschädigt als untere, die unter Umständen noch vollkommen intakt waren. Korallebleiche im eigentlichen Sinn, d.h. das Ausstoßen der symbiotischen Algen durch die Koralle, aber immer noch intaktes, farbloses Gewebe, wurde nicht beobachtet. Die nur teilweise abgestorbenen Kolonien können sich sicherlich zu einem gewissen Grad erholen, müssen aber mit den Algen konkurrieren, die sich sofort auf jedem noch so kleinem Teil nacktes Korallenskelett festsetzten. Nach einer Woche konnte man alle betroffenen Kolonien in glänzendem Grün der Algen scheinen sehen, welches die hellen weißen Zeugen dieses Korallensterbens bedeckte. Wir schätzen der natürliche „Schaden“ der Korallenkolonien liegt je nach struktureller Beschaffenheit des Riffdaches in einem Bereich zwischen 25-75 %. Die erste Riffuntersuchung, die wir nach diesem Ereignis durchführten, ergab eine Dezimierung um 50 % des Steinkorallenbewuchses auf einem Riffdach im Süden von Dahab.
Christian Alter
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| Exponierte Korallenkolonie (Pocillopora verrucosa) am ersten Tag |
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Beschädigte Hirnkoralle (Platygyra daedalea) am zweiten Tag. Korallenskelett ist größtenteils sichtbar
Alle Fotos © Christian Alter |
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| Durch den Algenüberzug hervortretende abgestorbene Korallen |
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Abgestorbene Geweihkorallen mit dickem Algenbewuchs nach zwei Wochen |
Fast gänzlich abgestorbene Kolonie (Pocillopora verrucosa) am dritten Tag |
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Die Geschichte einer Begegnung der besonderen Art
Unser fnz-Vorstand-Stellvertreter Wilfried Rieder war im Dezember 2006 für eine Woche am Roten Meer, 120 km südlich von Marsa Alam in der Lahami Bay und erlebte an den Korallenriffen der Fury Shoals eine Begegnung der besonderen Art, eine Begegnung mit Delphinen. Sie werden sagen, hab ich auch schon gesehen. Ja, aber sind Sie ihnen auch schon einmal begegnet; wilde Delphine, aus freiem Willen (und bei dieser Tierart darf man ruhig von bewußt gesetzte Taten sprechen), für mehrere Minuten? Das ist wohl der Superjackpot für jeden Taucher und wer das einmal erlebt, darf sich wirklich sehr glücklich schätze.
Eine kleine Delfingeschichte
Für Stefanie
Ort: Rotes Meer – Ägypten, 120 km südlich von Marsa Alam
Lahami Bay – an den Korallenriffen der Fury Shoals
Was mache ich hier eigentlich?
Es ist Samstag, der 16. Dezember 2006, ca. 09.00 Uhr. Morgen ist der 3. Adventsonntag.
„Bist du fertig? – Buddycheck!“ unterbricht mein Schweizer Tauchpartner mit unüberhörbarem Akzent je meine Gedanken. Kurze Zeit zuvor hatte der ägyptische Kapitän kopfschüttelnd die „Mischa“, ein Tauchboot der Baracuda Tauchbasis Lahami Bay, um 180 Grad gewendet. Keine Chance bei diesem Wellengang das Aussenriff zu erreichen. Der Sturm peitscht gegen das Boot und wir haben große Mühe überhaupt unsere Ausrüstung anlegen zu können. Obwohl wir nun einen Ausweichtauchplatz anlaufen freuen wir uns. „Hauptsache, wir kommen bald ins Wasser – dort ist es viel ruhiger“ sagt Erich. Er taucht seit knapp 30 Jahren – weltweit. Naturbegeistert – sehr auf Sicherheit bedacht – sonst hätte er wohl seine mehr als 1.000 Tauchgänge nicht absolvieren können.
…und jetzt stehen wir hier am Tauchplatz Sha’ab Lahami. Eigentlich wollte ich in Ruhe Abstand gewinnen von den traurigen Ereignissen zu Hause – und jetzt kann ich mich mit meiner angelegten Tauchausrüstung kaum auf den eigenen Füßen halten. Na super, denke ich mir und springe. Direkt neben mir schießt Erich wie eine Rakete ins Wasser. „Wir tauchen nach dem Sprung sofort ab“ haben wir uns ausgemacht um den nachfolgenden Tauchern aus Deutschland an der rauen Wasseroberfläche hinter dem Boot gleich Platz zu machen.
In ca. 3 Meter Tiefe schaltet sich mein Tauchcomputer ein – Druckausgleich – Maske ok? – Atemregler ok? – ein kurzes Zeichen zu Erich und wir sinken weiter ab. Langsam lichtet sich der Vorhang aus kleinen Luftbläschen die wir mit ins Wasser genommen haben und die jetzt zurück an die Wasseroberfläche treiben. Die Sicht wird besser und wir sehen bis zum Grund auf ca. 25 Meter. Ich suche die Umgebung ab – blicke zurück hinauf zur Wasseroberfläche.
Oh mein Gott – was ist das! Ca. 25 Meter weg, kaum zu sehen, ein Schwarm größerer Meereslebewesen – aber was ist es? Ich kneife meine Augen zusammen – als wenn dies etwas helfen würde – und plötzlich kann ich die Silhouetten genau erkennen.
Delfine! – Mein Gott, mehrere Delfine! Noch nie hatte ich bei meinen knapp über 150 Tauchgängen welche gesehen. Ich war ja ein Spätberufener – habe ja erst mit 42 Jahren zusammen mit Rosemarie, meiner Frau, zu tauchen begonnen.
Wir hatten schon sehr viel Glück – Walhaie, Mantas, Seekühe – wir haben schon viel gesehen – aber Delfine waren noch immer ein großer Tauchertraum geblieben – und jetzt sind sie da, so nahe und doch für meine Kamera noch so fern. Jetzt nur keinen Fehler machen – keine hektischen Bewegungen.
Ich atme kaum als ich mit wenigen Flossenschlägen bei Erich bin. Er schaut immer noch nach unten und hat die Delfine noch nicht gesehen. Mehrere leichte Schläge auf seine linke Schulter lassen ihn herumwirbeln – sicherlich dachte er es wäre etwas passiert. Ich zeige in Richtung der Delfine nach oben und dann sehe ich schon Erichs größer werdende Augen unter der Tauchermaske. Kurze Unterwasserverständigung – wir beschließen uns ganz langsam zu nähern um eine bessere Sicht auf die Tiere zu bekommen.
Sie waren an der Oberfläche um Luft zu holen und jetzt tauchen sie ab. Ein schnelles Foto mit der Kamera – die Delfine noch weit weg – aber man kann sie erkennen – das ist das Wichtigste, denke ich mir und bin verwundert, warum ich die Delfine plötzlich so deutlich erkenne. Sie haben uns auch gesehen – und jetzt kommen sie ganz langsam näher. Unglaublich – denke ich mir, eigentlich hatte ich erwartet, dass sie sofort die Flucht ergreifen. Sie schwimmen eine Runde in unserer Tiefe und wir beobachten uns gegenseitig sehr neugierig. Jetzt hat auch die kleine Gruppe der deutschen Taucher die Delfine gesehen und hat ihren Abstieg abgebrochen. Sie kommen ebenfalls näher – bleiben aber fairer Weise auf Distanz, um die Tiere nicht zu verjagen.
…und jetzt schwimmen die Delfine auch noch zu den anderen. Ich fotografiere wie wild – Taucher und Delfine ganz nah – und sie ziehen ganz ruhig ihre Kreise um uns und beobachten uns weiter. Jetzt schwimmen sie wieder an die Oberfläche zurück um zu atmen und bleiben dort eine Weile. Ich beschließe, mich ein wenig von den anderen zu entfernen und unterhalb der Delfine zu tauchen. Ich drehe mich auf den Rücken - es gelingt mir eine schöne Aufnahme von unten – die Silhouetten der Delfine gegen das Sonnenlicht. Ein Wahnsinn – bin jetzt schon stolz auf das Foto – und weis eigentlich noch gar nicht ob es etwas wird. Aber ich habe sie gesehen – mit meinen eigenen Augen – bin mit ihnen getaucht – den Delfinen des Roten Meeres – in freier Natur.
Sie tauchen wieder ab, kommen direkt gerade herunter auf ca. 10 Meter Tiefe und beginnen erneut uns in Formation zu umkreisen. 8 große erwachsene Tiere, ich vermute Große Tümmler, habe ich gezählt und jedes war ca. über 2 Meter lang. Ein einmaliges Naturerlebnis.
Jetzt plötzlich kommen sie direkt auf mich zu – ich schieße aus vollen Rohren – mit der Kamera natürlich. Rammen sie mich jetzt? – Nein, knapp davor drehen sie leicht ab.
Sie gleiten elegant an mir vorbei, nur einen halben Meter – ich könnte einen von ihnen berühren – vorsichtig streicheln. Nur nicht hin greifen – keine Flucht provozieren – zum fotografieren sind sie jetzt viel zu nahe. Ich senke die Kamera und genieße den Augenblick. Mir kommt vor, als sehen mir die Delfine direkt in die Augen und da ist es – dieses sagenhafte Lächeln der Delfine.
Ich denke plötzlich an Rosemarie, an Stefanie – unsere viel zu früh verstorbene kleine Tochter – jetzt kann ich mich nicht mehr halten und beginne unter der Maske zu weinen. Wie gerne hätte ich ihnen das alles gezeigt!
Sie drehen noch eine Runde und dann tauchen sie langsam weg – ich blicke auf meinen Tauchcomputer – 10 Minuten – volle 10 Minuten waren sie bei uns – ein Blick auf die Kamera – der Film ist voll! Erich fragt mich mit dem kleinen Kreis zwischen Daumen und Zeigefinger – Alles Ok? Er sieht die Tränen in meinen Augen. „Alles Ok“ antworte ich zurück. Ich habe nur relativ viel Luft verbraucht – ist ja auch kein Wunder.
Wir tauchen noch ca. 30 Minuten, dann kehren wir zum Boot zurück. Der hohe Wellengang begrüßt uns wieder und wir klettern mühsam die Leiter hinauf. Die freundliche ägyptische Bootscrew zieht uns an Deck und hilft uns die Ausrüstung abzulegen. Sie sind ganz aufgeregt und lachen. Sie haben vom Boot aus die Delfine und uns gesehen und freuen sich mit uns. Ich wanke zu Erich und wir fallen uns in die Arme. „In 30 Jahren tauchen habe ich so etwas noch nicht erlebt“ sagt er; „Unglaublich“ fügt er hinzu und schüttelt seinen Kopf. „Was Du für ein Glück hast Willi.“ Jetzt kommen auch die Deutschen zurück aufs Deck. Wir helfen ihnen und auch sie lachen und jubeln vor Freude. Einer der deutschen Taucher – Peter aus Bayern, er hat auch schon viel gesehen und sagt ganz ruhig zu mir: „Wenn Du glaubst, dass Du das noch einmal in Deinem Leben siehst - dann irrst Du“.
Erst jetzt begreife ich so richtig, welches Glück wir mit dieser Begegnung gehabt haben – und wie eigentlich gar nicht scheu sich diese Delfine uns gegenüber verhalten haben. Keine Unruhe, keine Panik, keine Flucht – nur Neugier und das Vertrauen uns Menschen gegenüber.
Ich gehe mit meinem Logbuch aufs Sonnendeck – der Sturm ist am späten Vormittag noch heftiger geworden, die Wellen noch höher, der Seegang enorm.
Alles egal – ich setze mich still in ein Eck und denke.
Ein Tauchertraum ist wahr geworden.
Die Sonnenbrille verdeckt abermals meine Tränen.
Egal - heute bin ich der glücklichste traurige Taucher der Welt.
Wilfried Rieder, Großgmain |
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The Best of Sinai - Die DVD zur Reise im Februar 2006
Nach nun fast einem Jahr Postproduktion ist die 21 minütige Dokumentation über die vom fnz und RSEC organisierte Sinai-Reise endlich erhältlich. Der Film zeigt die faszinierende Welt der Beduinen und deren Umgebung. Wunderschöne Oasen, karge Wüsten, schmale Canyons und bizarre Formen, die der Wind in den warmen Sandstein geschnitten hat.
Besucht wurde auch das berühmte Katharinenkloster und der Mosesberg, auf dem Sie nicht nur einen wunderbaren Sonnenaufgang erleben können, sondern auch einen unglaublichen Blick über das Gebirge haben.
Gemeinsam mit Kameramann Matthias Florian tauchen Sie ab in eine bezaubernde Unterwasserwelt. Die in der Umgebung von Dahab noch zum Großteil intakten Riffe zählen wohl zu den schönsten Tauchplätzen am Roten Meer. Aber auch andere Tauchspots wie Ras Mohamed werden gezeigt.
Der Höhepunkt der Reise war sicherlich die Kamelsafari nach Abu Galum, dem sich der letzte Teil des Films widmet. Aber mehr sei nicht verraten. Bestellen Sie jetzt noch rechtzeitig vor Weihnachten und verschenken Sie ein Stück Zauber des Orients!
- Format: Stereo, PAL
- Sprache: Deutscher Kommentar
- Bildseitenformat: 4:3
- Studio: Studio Creativ
- DVD-Erscheinungstermin: 14. Dezember 2006
- Spieldauer: 21 Minuten
- DVD Features: Hauptfilm, Bonustrack (beeindruckende Kletteraktion einer rüstigen, alten Dame durch einen Canyon)
- Preis: 25,- € (excl. Versand/Verpakung)
Bestellungen bitte an m.florian@fnz.at richten! |
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Seglerlegende und Delphinschützer Rollo Gebhard Sein Leben, seine Abenteuer, seine Geheimnisse
Rollo Gebhard, einer der berühmtesten Weltumsegler des deutschsprachigen Raumes, berichtete am 17. November auf Einladung des fnz und in Kooperation mit der Universität Salzburg und mit dem RSEC in seiner Geburtstadt Salzburg in einem bunten Farbfilm-Mosaik und einem Live-Vortrag über sein abenteuerliches Leben.
Freitag, 17. November 2006, 19:00 Uhr, Audi Max, NAWI, Universität Salzburg
Der Eintrittspreis betrug 14,- € und der gesamte Erlös aus der Veranstaltung floss vollständig in ein Projekt zum Schutz der letzten 220 Adria-Delphine!
Liebe Freunde der Natur, liebe Freunde der Meere und speziell der Delfine!
Uns am fnz liegen die bedrohten Delfine der Weltmeere sehr am Herzen, doch können wir als kleine Organisation in dieser Angelegenheit nicht allzu viel unternehmen. Wir sind (vorerst) nur eine Handvoll aktiver Naturschützer und verfolgen auch andere Projekte, wie etwa die Rückkehr der Wildtiere oder den Kampf gegen das Abschlachten der Haie auf den Seychellen.
Um doch einen kleinen Beitrag für die Delfine leisten zu können, haben wir bei einem Treffen in München im Sommer 2006 eine engere Kooperation zwischen der GRD (Gesellschaft zur Rettung der Delphine) und dem fnz vereinbart. Für Freitag, den 17. November 2006 wurde im Audi Max der NAWI (Universität Salzburg) ein Vortrag von Rollo Gebhard in Auge gefasst. Seit über vierzig Jahren auf den Meeren zu Hause, dreifacher Weltumsegler, Vorsitzender und Gründer der GRD und Autor zahlreicher Bücher, ist Rollo Gebhard zum Inbegriff des Abenteurers geworden. Das Ziel der Veranstaltung war es: Geld für ein Projekt zur Rettung der letzten Adria-Delfine zu sammeln. Zweifellos war das der Höhepunkt in unserem fnz-Veranstaltungskalender für das Jahr 2006.
Rollo Gebhard ist außerdem auch gebürtiger Salzburger, was jedoch in Salzburg kaum jemand wusste. Wir erhofften uns durch diesen klaren Salzburg-Bezug auch ein reges Interesse der Salzburger Medien.
In einer nur 5,5 Meter langen offenen Jolle überquerte Rollo Gebhard 1958 das Mittelmeer. Nach diesem “Schnupper-Törn” segelte er das offene Holzboot nach Ägypten, durch den Suez-Kanal und als erster durch das Rote Meer. Dabei wurde er vor der Küste des Jemen von arabischen Piraten gekapert und überlebte nur dank seiner angeborenen Schlitzohrigkeit und viel Charme. 1963 überquerte Gebhard in einem Sperrholz-Kajütboot allein den Atlantik. Bei der Ankunft in New York wurde seine Fahrt als erste Überquerung im kleinsten Boot von den Medien enthusiastisch gefeiert. Danach folgte 1967 bis 1970 die erste Einhand-Weltumseglung, 1975 die zweite auf neuer Route. Damit wurde Rollo Gebhard zum ersten Deutschen, der die Welt zweimal allein umsegelt hatte. Sein Boot steht heute im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, denn es ist das kleinste Schiff der Welt, das zweimal die Erde umrundete.
Als Krönung seiner seglerischen Laufbahn unternahm er dann zusammen mit seiner Lebensgefährtin und jetzigen Ehefrau Angelika noch eine dritte Weltumseglung. Sie führte das Paar in sechs Jahren auf alle Ozeane und zu allen Kontinenten bis hinauf nach Alaska und endete mit einer sportlichen Höchstleistung, als sie in sechs Monaten nonstop von Australien um die halbe Erde bis nach Emden segelten. Nach der Heimkehr setzte sich Rollo Gebhard massiv für die Erhaltung der Meere ein. Erschüttert vom millionenfachen Sterben der Delfine in den Treibnetzen der Tunfischfänger gründete er 1991 die GRD, mit Sitz in München, und leitet die Organisation seither als Vorsitzender. “Es ist meine Verpflichtung als Segler”, begründete er seine Initiative damals. Neben dem seit 1991 immer noch brandaktuellen Kampf gegen “delfintödliche” Netze, setzt sich die GRD heute in einem weltumspannenden Netzwerk mit Schutzprojekten für das Überleben bedrohter Delfinpopulationen ein, wie zum Beispiel in Kroatien, Peru oder Mosambik. So ist Rollo Gebhard heute nicht nur Segler-Legende, sondern auch Symbolfigur für den Delfinschutz in Deutschland und weit darüber hinaus.
Die Hoffnungen des fnz in Bezug auf die Unterstützung der Medien wurden zum Glück nicht enttäuscht: Alle Medien, ob TV, Radio oder die Presse, brachten ausführliche Berichte über Rollo Gebhard und seine Initiative zum Schutz der Delfine. Ein ORF-Kamerateam ist sogar aus Wien angereist, um mit Rollo Gebhard ein Interview für die beliebte ORF-Sendung “Schöner leben” aufzunehmen. Wenn man heute Rollo Gebhard und Salzburg in eine Internet-Suchmaschine eingibt, erscheinen unzählige Hinweise auf die faszinierende Veranstaltung. Wir haben zwar insgeheim mit mehr Besuchern gerechnet – gekommen sind letztlich etwa 190 –, doch waren wir letztlich mit der Veranstaltung mehr als zufrieden. Wir danken allen, die durch ihr Kommen Respekt vor Rollo Gebhard und seiner Gattin und Anerkennung für Ihre Arbeit innerhalb der Gesellschaft zur Rettung der Delphine zeigten!
Wir am fnz sind stolz, dass wir zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten, die Arbeit der GRD in Salzburg und Österreich in der breiten Öffentlichkeit noch bekannter zu machen und wir sind auch stolz, dass wir diesen faszinierenden Menschen persönlich kennen lernen durften.
Das fnz unterstützt die Projekte des GRD ehrenamtlich und im Interesse der Sache, der gesamte Erlös floss in das vorgestellte Delfin-Projekt.
Helfen Sie bitte durch einen kleinen Beitrag weiterhin den letzten Delphinen der Adria! |
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Fischerei: Der Tod der Meere
Anlässlich des „Welttag des Meeres“ macht die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) auf die dramatische Vernichtung der Artenvielfalt in den Weltmeeren durch die Fischerei aufmerksam. So hat die EU zwar den Einsatz von Treibnetzen seit Jahren verboten, dennoch werden immer wieder Fälle von eklatantem Missbrauch bekannt. Etwa 400 Fischerboote sollen zur illegalen Treibnetzflotte allein im Mittelmeer gehören. Zu Hunderten sterben Meerestiere einen sinnlosen Tod als so genannter Beifang. Die oft kilometerlangen „unsichtbar“ im Wasser treibenden Netze sind eine tödliche Falle für alle Meereslebewesen. Häufig macht die Menge an Beifang über 50 Prozent des gesamten Fangs aus! Qualvoll verenden Wale, Delfine, Haie, Seevögel, Schildkröten und andere Tiere darin.
„Es ist ein Skandal, eine beispiellose Verschwendung von Leben“, erklärt der dreimalige Weltumsegler und GRD-Gründer, Rollo Gebhard. „Die EU unternimmt nichts, um ihre eigenen Gesetze durchzusetzen. Es ist, als würde ein ganzer Wald für ein paar zu erlegende Wildschweine niedergebrannt.“
Die GRD setzt gegen die erbarmungslose Raubfischerei auf den Weltmeeren das internationale Kontrollprogramm für „delfinsicheren“ Thunfisch des Earth Island Institute aus San Francisco (EII) in Deutschland um. Der Einsatz von Treibnetzen sowie das Einkreisen von Delfinschulen beim Fischfang sind hierunter unter anderem verboten. An dem nach ISO-9001 zertifizierten Programm beteiligte Firmen dürfen keinen mit Treibnetzen gefangenen Thunfisch ein- oder verkaufen. Mit einer regelmäßig aktualisierten Liste werden die deutschen Verbraucher über „delfinsicheren“ Thunfisch informiert: www.thunfischliste.de
Vor 15 Jahren wurde dieses Delfin- und Meeresschutzprogramm ins Leben gerufen. Inzwischen sind über 300 Thunfischfirmen in mehr als 50 Ländern beteiligt. Damit richten sich weltweit über 90% der Thunfischindustrie nach den Vorgaben des EII. „Hier wurde eines der größten nicht-staatlichen Umweltkontrollprogramme der Welt aufgebaut, es ist ein Zeichen der Hoffnung für das bedrohte Leben in den Meeren“, sagt Rollo Gebhard. |
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REISEBERICHT DONAUDELTA 29.4.-8.5. 2006 von Dr. Norbert Sauberer
Nach einer schönen Zugsfahrt nach Bukarest mit wunderbaren rumänischen Landschaftseindrücken und einem mehrstündigen Bustransfer schifften wir uns am Abend des 29.4. im Hafen von Tulcea ein. Unser zukünftiges Schleppschiff brachte alle Reiseteilnehmer in einer etwa halbstündigen Fahrt zum „Bootshotel“. Bei der Ankunft war es schon dunkel. Wir bezogen die 2er-Kabinen, die uns während der nächsten neun Nächte als Schlafstatt dienten. Die Nächte gerieten natürlich eher kurz, denn Abend- und Morgendämmerung hatten vogelkundlich und visuell (man denke nur an den eindrucksvollen Sonnenuntergang beim See Furtuna!) ganz besondere Reize. Oberhalb der Kabinen liegt ein großer Multifunktionsraum: neben der gemeinschaftlichen Nahrungsaufnahme wurden hier auch Vorträge gehalten, Bücher gelesen, der Speicher digitaler Kameras geleert, Fotos bearbeitet, das Exkursionsprotokoll geschrieben, bis nach Mitternacht eifrig über Gott und die Welt diskutiert, die Vorräte an Bier und Wein geleert .... kurzum wohl die wichtigste Örtlichkeit des Schiffes. Zudem gewährt die dreiseitige Verglasung dieses Raums auch glänzende Beobachtungsmöglichkeiten wenn es mal draußen zu kalt geworden ist. Die kühlen Temperaturen in den ersten fünf Tagen waren für einige Teilnehmer (vor allem für mich) doch unerwartet und alle die auf Handschuhe und feste Haube nicht vergessen hatten, besaßen im Freien strategische Vorteile. Ein Wort noch zum Wetter: es herrschte fast permanenter Sonnenschein; Regen setzte pünktlich am Tag der Abreise von Tulcea ein und dies störte uns nicht mehr. Die Küche war hervorragend und reichlich. Da Fisch scheinbar im Donaudelta eher eine „Arme Leute-Speise“ ist, stand er am Anfang nicht so oft am Speiseplan wie wir es uns gewünscht hätten. Nachdem unsere Fisch-Bitte aber bei der Köchin deponiert war, bekamen wir viel öfter Fisch (als ersten Gang!). Wildkarpfen, Wels und Hecht landete in unseren fischhungrigen Mägen. Nicht zu vergessen die wahrhaft köstliche Fischsuppe!
Der Wasserstand im Donaudelta war sehr hoch, erreichte aber den Rekordwert aus den 1960er Jahren nicht. Trotzdem litten die Dämme unter dem langandauernden hohen Wasserstand zum Teil sichtbar und sie mussten stellenweise ausgebessert und verstärkt werden. Auch das im Winter geschnittene und auf den Dämmen gelagerte Schilf bekam mancherorts nasse Füße.
Nachfolgend wird tageweise die Reiseroute kurz beschrieben. Bemerkenswerte Beobachtungen werden angeführt. Eine ausführliche und kommentierte Liste der im Donaudelta während dieser Reise gesichteten Vogelarten folgt danach...
Nachzulesen bzw. downzuloaden im Downloadbereich des Forums unter "Reiseinfos"
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Vanessa und der Megalodon ... und die Kleinste fand den Größten ...
Das Wetter war den Haizahnsuchern wohl gesonnen, denn einen schöneren Spätsommertag hätten wir uns nicht erträumen können: ein heiterer, tiefblauer Himmel, strahlender Sonnenschein, klare Luft und – dennoch nicht zu heiß.
Etwa 25 junge und jung gebliebene Naturfreunde im Alter zwischen 4 und 76 haben sich am Samstag, den 9. September 2006, in einer Sandgrube in Prambachkirchen eingefunden um an der ein- bis zweimal jährlich abgehaltenen zoologisch-paläontologischen Exkursion des fnz und RSEC “Auf den Spuren fossiler Haizähne“ teilzunehmen.
Exkursionsleiter Robert Hofrichter ermunterte die Teilnehmer geduldig zu sein und nicht gleich in den ersten Minuten auf den großen Fund zu hoffen und versprach, dass schließlich jeder “seinen Zahn“ finden wird. So war es auch: Insgesamt wurden an diesem Tag mindestens (geschätzte) 100 fossile Haizähne gefunden, allerdings waren eher wenige von ihnen größer als 2 cm. Einige schöne Isurus-Zähne erreichten allerdings 3,5 bis 4 cm.
In der Mittagspause erzählte Robert Hofrichter über die Stammesgeschichte der Haie und über eine Zeit, in der große Teile Österreichs von einem Meer bedeckt waren (Paratethys, Molassemeer).
“Auch für Kinder sehr gut geeignet!”, hieß es in der Ausschreibung, und das erfüllte sich auch. Denn für den Höhepunkt des Tages sorgte am späteren Nachmittag die kleine Vanessa (Schorn). Sie “stolperte”, ohne dabei groß zu suchen, in einem 20 m hohen Sandhügel, in dem die meisten Teilnehmer ihr Glück versuchten, über einen großen Megalodon-Zahn. Carcharocles (früher Carcharodon) megalodon war wohl der größte räuberische Hai überhaupt und erreichte 20 m. Die Aufregung war groß und keiner wollte seinen Augen trauen. Doch das Beweisfoto zeigt es ganz deutlich: Die Kleinste unter uns hat tatsächlich den größten Zahn gefunden! Wir gratulieren der kleinen Vanessa, die damit wohl auch eine wunderschöne Erinnerung für ihr ganzes Leben gewonnen hat.
Bereits bei der letzten Exkursion hat Helmut Wipplinger von Sharkproject gemeinsam mit seinem Sohn zwei wunderbare, wohl noch etwas größere Megalodon-Zähne gefunden. Beide haben dafür aber hart arbeiten, graben und viel Material durchsieben müssen. Wie Vanessa zeigt, geht es jedoch mit etwas Glück auch ohne Anstrengung!
Mehr Bilder gibt´s in unserem neuen Forum im Album !!
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Rollo Gebhard und seine Gesellschaft zur Rettung der Delfine auf Einladung des fnz und RSEC in Salzburg! Film / Vortrag am 17. November 2006
Auf Einladung des forum natur & zukunft (fnz), des Red Sea Environmental Centre (RSEC) und des Fachbereichs Organismische Biologie, NAWI, Universität Salzburg, besucht der gebürtige Salzburger, Seglerlegende und Delphinschützer Rollo Gebhard am Freitag, den 17. November 2006 Salzburg. In einem faszinierenden Vortrag (Beginn: 19.00 Uhr) und einer Filmvorführung berichtet einer der berühmtesten Weltumsegler des deutschsprachigen Raumes, der vor kurzem seinen 85er gefeiert hat, über sein abenteuerliches Leben. Das ist auch wortwörtlich der Titel bzw. das Motto des Abends: Sein Leben, seine Abenteuer, seine Geheimnisse. Doch geht es bei dieser Veranstaltung um weit mehr als nur Abenteuer. Der dreifache Weltumsegler gründete – erschüttert vom millionenfachen Sterben der Delfine in den Treibnetzen der Tunfischfänger – 1991 die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD). Unterstützt durch seine Gattin Angelika, vier fixe Mitarbeiter der GRD und zahlreiche Partner, kämpft Rollo Gebhard weltweit für das Überleben dieser sympathischen Geschöpfe.
Die wichtigste Botschaft unserer Veranstaltung: Auch Sie können den bedrohten Delfinen helfen! Der Erlös aus der Veranstaltung fließt vollständig in ein Projekt zum Schutz der letzten 220 Adria-Delphine!
Dass Rollo Gebhards Aktivitäten und Einsatz eine Motivation für viele um ein halbes Jahrhundert (oder mehr) jüngere ist, braucht gar nicht betont werden. Wie nur wenige andere macht Rollo Gebhard deutlich, dass ein aktiver Einsatz für Anliegen des Artenschutzes keine Frage des Alters sind. fnz und RSEC sind stolz diese Veranstaltung im Interesse der Delfine und als Würdigung eines außergewöhnlichen Lebens initiiert zu haben! Beide Umweltschutzorganisationen sind nun Kooperationspartner der GRD und bemühen sich ihre Aktivitäten zu unterstützen. Wir schließen uns der Meinung Rollo Gebhards an: “Nur in einem großen Bund können wir die tausendfachen Hilferufe aus dem Meer an Land hörbar machen. Unterstützen Sie bitte als Förderer oder mit einer Spende unsere Bemühungen für das Überleben der Delfine.”
Folgende Zeilen von Rollo Gebhard auf der Webseite der GRD (www.delphinschutz.org, auszugsweise wiedergegeben) machen die Ziele der Gesellschaft und deren Gründers noch besser deutlich: “Als meine Frau Angelika und ich nach meiner dritten Weltumsegelung im Jahr 1991 die GRD ins Leben riefen, wussten wir, dass die schwerste Aufgabe unseres Lebens begonnen hat: die Abschaffung der Treibnetze und ähnlich wirkender Fischereigeräte, in denen jedes Jahr Hunderttausende Delfine und andere Meerestiere jämmerlich verenden. Wir hatten uns damals sehr viel vorgenommen und wollten den Delfinen, treue Begleiter auf vielen unserer Reisen, wirkungsvoll helfen. Dass uns hierbei das damals noch weitgehend unbekannte Internet eines Tages eine wertvolle Hilfe sein würde, konnten wir nicht ahnen. Um so mehr freut es uns, dass sich die GRD-Seite heute so großer Beliebtheit erfreut und ein wichtiges Instrument bei unserem Einsatz für die Delfine geworden ist, deren Überlebenskampf auf den Weltmeeren immer härter wird. Aber jeder Einzelne hat es auch in der Hand, diesen faszinierenden Geschöpfen zu helfen.”
Infoblatt hier. |
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Die nächste Algenplage, alle Jahre wieder ...
Mare sporco – Meeresverschleimung, Algenblüte, Algenpest?
Ein Bericht von Robert Hofrichter und Wolfgang Petz (RSEC, www.redsea-ec-org, mittelmeer@aon.at)
So wie der Sommer alle Jahre kommt, begleitet ihn auch die nächste Urlaubssaison und vielleicht eine (früher geradezu obligate) Reise an die Adria. Wenn sich im Meer mit den steigenden Temperaturen wieder das “gewisse etwas” breit macht, berichten die Medien umfassend darüber und sprechen in der Regel von Algenpest. Das Problem ist: Sie wissen in den allermeisten Fällen überhaupt nicht wovon sie berichten. Denn selbst erfahrene Meeresbiologen können das Phänomen nicht mit einigen Sätzen erklären ...
Algenschleimflecken an der Oberen Adria – Situation nicht besorgniserregend, ADAC-Sommerservice
"Die tropischen Temperaturen sowie die ruhige Wetterlage im nordwestlichen Mittelmeerraum haben in der Oberen Adria die Entwicklung erster Ansammlungen von Algenschleim begünstigt. Dem ADAC-Sommerservice zufolge ist Algenschleim auch an die meisten slowenischen Badestrände sowie an drei Strände der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien nördlich von Triest vorgedrungen. Darüber hinaus konnten Algenschleim-Flecken in der nördlichen Adria bisher nur sporadisch und in einer Entfernung von etwa 10 bis 20 Kilometern vor der Küste sowie in tieferen Wasserschichten ausgemacht werden.
Wie die Gesundheitsbehörden in Ancona mitteilen, sei das Vorkommen von Algenschleim in der Adria augenblicklich nicht besorgniserregend. Das Vorkommen von muccilagine sei derzeit nicht größer als in den Sommermonaten der letzten Jahre, als es keine negativen Auswirkungen auf den Badebetrieb gab. Sollten das schöne Wetter und die ruhige See weiter anhalten, könnte der Algenschleim jedoch verstärkt an der Wasseroberfläche auftreten und bei auflandigem Wind auch an weitere Küstenbereiche gespült werden. In den Jahren 1989 und 1991 waren weite Bereiche der Oberen Adria von dem Algenschleim-Phänomen betroffen.
Die Bildung von Algenansammlungen in Form von Meeresschnee und Algenschleim ist ein für die Adria natürliches Phänomen, das sich mehr oder weniger stark in jedem Jahr einstellt. Auch besteht für die Badenden keine Gefahr. Der Algenschleim bedeutet eher ein ästhetisches Problem. Gesundheitliche Probleme sind nicht bekannt.
Über die weitere Entwicklung der gegenwärtigen Situation gibt das Algentelefon Auskunft …"
Bereits im späten 19. Jahrhundert berichteten Marinbiologen ausführlich über so genannte mare sporco-Ereignisse in der Nordadria, das Auftreten amorpher Schleim-(Mucus-)Anhäufungen im Meer. In den Beschreibungen tauchen Begriffe wie “masse glutinose“ (gelatinöse Masse), “malattia del mare“ (Krankheit des Meeres) oder “mare sporco“ (schmutziges Meer) auf. In der k. u. k.-Monarchie, deren Einflussbereich sich auf große Teile der Adria erstreckte, verwendete man das Wort “Seeschleim“ oder “Meeresverschleimung“. Auf Italienisch wird das Phänomen der verschiedenen “aggregati gelatinosi“ mit dem Sammelbegriff “mucillagine“ bezeichnet. 1989 rückte ein solches Großereignis erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und der internationalen Medien. Eine massive “Algenplage“ oder “Algenpest“, wie man sie jetzt meist etwas
irreführend nannte, sorgte bei Behörden, Tourismusmanagern und Wissenschaftlern für Kopfzerbrechen. Nach 1991 ist es auch im nördlichen Tyrrhenischen Meer (Toskanische Inseln) und vielen anderen Meeresregionen vermehrt zur Bildung “schleimiger Aggregationen“ gekommen. Eine kurze, schlüssige Erklärung des Ereignisses
konnte jedoch damals wie im 19. Jahrhundert niemand geben. Der Grund: Die diversen Formen des “Meeresschleimes“ sind mehrere unterschiedliche Phänomene, die verschiedene Verursacher haben.
Auf die entscheidenden Fragen: “Welche Organismen sind für die Meeresverschleimung verantwortlich?“ und “Wie ist der kausale Ablauf seiner Entstehung?“ findet man nur nach längeren Recherchen schlüssige Antworten. Sind die fädigen Aggregationen tatsächlich Algen oder ist es “nur“ Schleim? Handelt es sich bei derartigen Ereignissen, wie sie Abbildung 3.5 auf Unterwasseraufnahmen zeigt, wirklich um Algenblüten? Was genau ist marine snow (Meeresschnee)? Wird der Schleim durch die Diatomee Nitzschia erzeugt, wovon einige Wissenschaftler überzeugt waren? Oder durch andere Kieselalgen, die in den später im Sommer auf den Grund abgesunkenen Schleimaggregationen in hohen Dichten zu finden sind, nicht aber zu Beginn des Ereignisses, wenn der Schleim noch im Freiwasser schwebt? Kann mare sporco durch den Dinoflagellaten Noctiluca, der Meeresleuchten hervorruft, verursacht werden?
Schon gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts äußerten die Wissenschaftler zu diesen Fragen völlig unterschiedliche Meinungen. Der auf Seite 90 zitierte Carl J. Cori meinte: “Man hat auch Bacillariaceen (Kieselalgen, Diatomeen) für die Erzeuger der Schleimmasse gehalten. Nach unserer Überzeugung aber siedeln sich diese Formen erst sekundär in dem Schleim an“. Cori nahm auf eine Massenentwicklung von Diatomeen im Winter 1904/1905 an den Küsten des Triestiner Golfes Bezug und meinte, dass darauf keine Verschleimung des Meeres folgte. Folglich sollten Diatomeen grundsätzlich nicht zu mare sporco führen. Den eigentlichen (und einzigen!) Verursacher der Meeresverschleimung sah Cori in Dinoflagellaten der Gattung Peridinium (heute Protoperidinium). Der bekannte Biologe Adolf Steuer unterstützte diese Hypothese. Auch in jüngster Zeit sind die Ursachen noch nicht eindeutig bekannt, es werden viele Interpretationen und Hypothesen geäußert sowie zahlreiche unterschiedliche Begriffe und Erklärungen formuliert.
Ziel dieses Beitrages ist, auf die Vielfalt der äußerlich ähnlichen Phänomene hinzuweisen, die irreführenderweise oft verwechselt werden. Dabei handelt es sich zum Teil um pelagische, zum Teil um benthische Ereignisse, die unterschiedliche Verursacher haben. Braun- und sogar Rotalgen können dabei eine wichtige Rolle spielen, in anderen Fällen stecken Bakterien, Cyanobakterien, Protisten oder Makroplanktonorganismen dahinter.
Die unterschiedlichen Phänomene – Versuch einer Klassifizierung
Blüte, Algenblüte, Wasserblüte:
Unter “Algenblüte“ versteht man das massenhafte Auftreten meist einzelliger Algen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ideale Wachstumsbedingungen vorfinden (z. B. Licht, Temperatur, Nährstoffe). Im Lebensraum bzw. in den Proben dominiert dann in der Regel nur eine Art oder einige wenige Arten. Die Individuendichte kann hunderte Millionen Zellen pro Liter Meerwasser betragen. Durch die Organismen kann sich das Wasser stark verfärben und verschiedene Farbtöne annehmen. Häufig ist eine rötliche oder bräunliche Farbe, für die der Name Rote bzw. Braune Tide geprägt wurde (red, brown tides). Das Wort “Algenblüte“ (algal bloom) ist etwas irreführend, da sich hinter dem Phänomen keine Makroalgen, sondern meist Mikroalgen verbergen, die autotroph, heterotroph oder mixotroph sind und zu den Protisten zählen. Außerdem können auch andere Organismen, etwa Bakterien oder Protozoen, “Blüten“ verursachen. Es ist daher korrekter, die allgemeinere Bezeichnung “Blüte“ statt “Algenblüte“ zu verwenden.
Aus der Nordadria ist neben massiven Blüten auch das Auftreten von großen, amorphen Mucusanhäufungen bekannt. Mikroalgen können zwar in Stresssituationen enorme Mengen organischer Stoffe absondern, die später zur Schleimbildung im Wasser führen, viele Blüten haben jedoch überhaupt kein Auftreten von Schleim zur Folge.
Die organische Substanz im Meerwasser setzt sich bei Blüten nicht nur aus lebenden Zellen zusammen. Mindestens das Zehnfache der Zellbiomasse liegt als DOM (gelöste organische Materie) vor.
Pelagische schleimige Aggregationen:
Die amorphen Mucuswolken sind zumindest primär keine Organismenansammlungen. Am Sommeranfang sind sie oft nahezu frei oder zumindest arm an Zellen, wie der Blick durch das Mikroskop zeigt. Im Gegensatz zu den Blüten ist das auch an der weißlichen Farbe der Schleimaggregate zu erkennen. Daher ist die landläufige Bezeichnung “Algenplage“ oder “Algenpest“ für pelagische (und oft auch benthische) Schleimanhäufungen irreführend.
Diese pelagischen Mucusaggregationen bilden sich aus polymerisierten organischen Substanzen, etwa Mucopolysacchariden, die im Meerwasser schon vorher in hohen Konzentrationen vorhanden sein müssen. Sie stammen von vorherigen oder gegenwärtigen Blüten, bei denen ein ungünstiges Nährstoffverhältnis zwischen Stickstoff und Phosphat vorliegt. Infolge dessen können die Organismen keine Proteine oder DNA synthetisieren (dazu wäre eine Verhältnis von Stickstoff zu Phosphor von 16:1 erforderlich) und der bei der Photosynthese produzierte Zucker wird ins Wasser abgegeben. Mucopolysaccharide sind ein extrazelluläres Produkt, das besonders von Bakterien oder Phytoplanktonzellen (etwa Diatomeen) abgeschieden wird. In der Adria wurden vor allem besagte Diatomeen als Verursacher von Meeresverschleimung festgestellt, so etwa Cylindrotheca closterium, Chaetoceros affinis und Skeletonema costatum. Im Sommer des Jahres 1993 war vermutlich Chaetoceros sp. der wichtigste Schleimproduzent. Bakterien dürften in weiterer Folge durch ihren eigenen Schleim die Struktur und die physikalischen und chemischen Eigenschaften dieser Matrix beeinflusst haben.
Die organischen Substanzen kondensieren zu Schleimflocken (macroflocs), -strängen (stringers) und -wolken (clouds). Diese und weitere Kategorien wie creamy surface layer und gelatinous surface layer wurden von Stachowitsch et al. (1990) aufgrund der Größe, Struktur, Konsistenz und des Vorkommens der Aggregationen in der Nordadria aufgestellt. Im Verlauf der Meeresverschleimung verfangen sich in den Mucusaggregaten sekundär verschiedenste Organismen (z. B. Bakterien, Diatomeen, Dinoflagellaten, andere Protisten) sowie partikuläre organische (POM) und anorganische Schwebteilchen. Bestehende Aggregationen können sogar gelöste organische Substanz (DOM) adsorbieren. Mucus wird von manchen Organismen auch aktiv besiedelt. Die Unterscheidung zwischen aktiven Besiedlern und passiv Gefangenen dürfte dabei aber schwer fallen. In der Folge bilden sich komplexere Schleimansammlungen und -strukturen. Wenn die Aggregationen später zum Grund sinken, sind sie von einer großen Zahl von Organismen besiedelt, die nicht zu den eigentlichen Verursachern des Phänomens zählen müssen. Dieser entscheidende Punkt wurde gelegentlich bei Erklärungsversuchen nicht gebührend berücksichtigt (wenn z. B. alle im Schleim gefundenen Organismen aufgelistet wurden), sodass die entscheidende Frage nach der Ursache immer wieder unbeantwortet blieb.
Auch gelatinöses Makroplankton (“gelatinöses Plankton“) wie Rippenquallen und Larvaceen können zur Schleimbildung im Meerwasser beitragen. Schleimfäden, Fangnetze und verlassenen Hüllen solcher pelagischer Suspensionsfresser können Mucusaggregationen verursachen (vgl. Meeresschnee).
Benthische mucillagine-Aggregate:
Seit Anfang der 1990er-Jahre wird das massive Auftreten von benthischen Schleimalgen untersucht. Am Höhepunkt solcher Ereignisse kann der gesamte Meeresgrund von einer unansehnlichen, fädig-schleimigen Algenmasse bedeckt sein. Dieses Phänomen unterscheidet sich von der pelagischen Meeresverschleimung, da es andere Ursachen hat. In diesem Fall kann von einer “Algenplage“ gesprochen werden, denn die einfach organisierte fädige Braunalge Acinetospora crinita (Carmichael) Sauvageau (Ectocarpales, Ectocarpaceae) mit einreihigen, unverzweigten oder verzweigten Zellfäden und diffusem Wachstum überzieht große Teile des Meeresgrundes. Die Rotalge Lophocladia lallemandii (Montage) Schmitz (Ceramiales, Rhodophyceae) kann in diesen schleimigen Gemeinschaften ebenfalls vorkommen.
Allerdings sind auch Protisten am benthischen mucillagine beteiligt. Eine wichtige Rolle spielen etwa die Goldalgen (Chrysophyta sensu lato) Nematochrysopsis marina J. Feldmann (= Tribonema marinum) und Chrysoreinhardia giraudii (= Tetraspora giraudii), die mehrzellige Filamente bilden. Ähnlich ist eine weitere Spezies, Chrysonephos lewisii (Pelagophyceae, Sarcinochrysidales), die erst 1995 im Mittelmeer nachgewiesen wurde. Diese Arten scheinen bei der Ausbildung der benthic mucilaginous aggregates, wie das Phänomen in der wissenschaftlichen Literatur genannt wird, in toskanischen Gewässern eine wichtige Rolle zu spielen. Kompliziert wird das Erkennen der tatsächlichen Schleimverursacher durch eine (sekundäre) heterogene Ansammlung von Fragmenten benthischer Makroalgen, Cyanobakterien, Diatomeen, Dinoflagellaten, Bakterien und anorganischer Partikel an den klebrigen Filamenten.
Einige fädige Cyanobakterien, die schleimige Scheiden ausbilden, können auch allein “benthische Algenplagen“ hervorrufen, so Microcoleus lyngbyaceus (Kützing) Crouan (Oscillatoriales, Cyanophyceae). Dies ist ein Name, hinter dem sich wahrscheinlich mehrere Cyanobakterien-Spezies verbergen. Arten der Gattungen Phormidium und Oscillatoria können ausgedehnte braune, schleimige Überzüge bilden.
Benthische mucillagine-Aggregate auf Korsika:
Die benthische Algengemeinschaft der Bucht von Calvi wird seit den 1960er-Jahren eingehend studiert. Seit 1987 sind massive Veränderungen in der Algengemeinschaft zu beobachten. Die Bestände der Braunalge Cystoseira sind dramatisch zurückgegangen. Andere, vor allem stickstoffliebende Makroalgen wie Cladophora prolifera und Calpomenia sinuosa sowie epiphytische Mikroalgen wie einige Bangiophyceen sind auf dem Vormarsch. Hinzu kommt eine massive Entwicklung von schleimigen Goldalgen (Chrysophyta sensu lato), wie oben bereits beschrieben. Chrysoreinhardia giraudii, eine dieser Arten, erscheint in makroskopisch sichtbarer Form im Mai, erreicht im Sommer den Höhepunkt der Entwicklung und verschwindet im September wieder. Die dichtesten Bestände sind in der Regel bis in 20 m Tiefe zu finden. Diese Art bildet keine frei im Wasser schwebenden Schleimaggregate, die die Fischerei beeinträchtigen könnten, dennoch wurde durch sie das Ökosystem massiv verändert.
Flocken:
Flocken bilden sich im Meerwasser einerseits durch Platzen von Luftbläschen, an deren Oberfläche ein dünner Proteinfilm adsorbiert war, aus Huminsäuren oder anderen Kolloiden. Huminsäuren werden entweder durch Flüsse ins Meer transportiert (besonders nach heftigen Regenfällen) oder entstehen schlussendlich aus gelöster organischer Substanz (DOM), die von marinen Organismen selbst stammt. Durch die im Meerwasser vorhandene hohe Konzentration an Kationen (Ca, Mg) entstehen Bindungen zwischen Fibrillen, was in Ästuaren zur Flockenbildung führt.
Meeresschnee:
Organische Substanzen können im Meerwasser zu größeren transparenten Exopolymerpartikeln koagulieren, die einige Mikrometer groß sind. Nachfolgende Kollisionen untereinander führen zu größeren Aggregaten, die als “Meeresschnee“ (marine snow, neve planctonica) sichtbar sind und relativ langsam zu Boden sinken. Meeresschnee tritt vor allem in Perioden hoher Photosyntheseaktivität auf (z. B. Planktonblüten), bei denen in der Nordadria bis zu 80 % des photosynthetisch produzierten Kohlenstoffs als gelöste organische Substanz (DOM) wieder ausgeschieden wird. Seine Dichte kann sehr hoch sein und bis über 100000 Partikel pro Liter betragen. Diese Strukturen erscheinen oft als kurze, “kometenförmige“ weiße Fäden. Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen, dass Meeresschneeteilchen durch Fibrillen (intra- und/oder extrazelluläre Faserstrukturen) verbundene Anhäufungen aus Algen, Bakterien und eingelagerten organischen und anorganischen Teilchen sind.
Die häufig verwendete Bezeichnung marine snow umschreibt meist nur eine morphologische Ausprägung von Mucus im Meerwasser. Der Begriff wird – ebenso wie die verschiedenen anderen – unscharf verwendet. Als Bezeichnung für das gesamte Phänomen der schleimigen Aggregationen mit all seinen verschiedenen Formen, einschließlich der benthischen, ist Meeresschnee nicht geeignet.
Das Auftreten von Meeresschnee ist aus vielen Teilen der Welt bekannt. In Regionen außerhalb des Mittelmeeres sind beispielsweise verlassene Appendicularien-Gehäuse (Larvaceen, Tunicata) mit ihren mucösen Fangfäden, der Schleim von Ctenophoren, die nach Blüten absterbenden Phytoplanktonzellen (Diatomeen, Dinoflagellaten) oder Bakterien das Ausgangsmaterial für die Bildung von marine snow.
Meeresschnee ist ein äußerst wichtiger Modus der Sedimentation (Transport organischer Substanz zum Meeresgrund). Je nach Größe der Partikel sinken sie zwischen 15 und 300 Meter pro Tag. Eine Sprungschicht kann jedoch die weitergehende Sedimentation stoppen. Tauchern ist dieses Phänomen gut bekannt: Die obere wärmere Wasserschicht ist trüb und voller weißer Partikel. Sobald man jedoch durch die Sprungschicht in kälteres Wasser taucht, ist die Sicht gut und das Wasser klar. Es kann aber auch umgekehrt sein, wobei die Wassermassen oberhalb der Sprungschicht klar sind und jene unterhalb trüb.
In manchen Meeresregionen, z. B. Nordostatlantik, stellt Meeresschnee einen Hauptbestandteil der Copepodennahrung dar. Dadurch kann sich Makrozooplankton direkt und ohne Umweg über die mikrobielle Schleife vom Nano- und Picoplankton ernähren, das auf den Aggregaten siedelt.
Meeresschneeflocken und Schaum in der Nordsee:
Hohe Phytoplanktonkonzentration und eine nur geringe windbedingte Durchmischung der Wassersäule wurden als Voraussetzung für das Auftreten von großen Meeresschneeflocken festgestellt. Das bedeutet, dass die Entstehung großer Aggregate und ihre dauerhafte Präsenz in der oberen Wasserschicht wahrscheinlich auf hochproduktive, nährstoffreiche Gegenden mit einer zu dieser Zeit deutlichen aber seichten Schichtung beschränkt ist. Der Umkehrschluss trifft aber nicht zu, denn nicht auf jede Phytoplanktonblüte folgte die Bildung von marine snow.
Eine wichtige Rolle bei der Entstehung pelagischer Schleim- bzw. Schaumformationen in der Nordsee spielt seit 1978 die planktontische Mikroalge Phaeocystis pouchettii (Prymnesiales, Haptophyta). Der von ihr verursachte Schaum wird meist zwischen Ende Mai und Anfang Juni an den Küsten angehäuft. Ganze Küstenabschnitte können dann von einem bis zu einen Meter hohen Schaumteppich bedeckt sein. Das Auftreten von Phaeocystis-Blüten scheint in der Nordsee mit dem Anstieg von Stickstoff in Relation zum Phosphor zusammenzuhängen. Man kann es daher als Folge der Eutrophierung sehen.
Mare sporco, mucillagine – eine Folge der Meeresverschmutzung?
Ist mare sporco einfach ein Eutrophierungsphänomen (erhöhter Eintrag von Nährstoffen) der modernen Industriegesellschaft? Eine einfache Antwort kann der Vielfalt der beschriebenen Phänomene und der Komplexität des ökologischen Geschehens im Ökosystem Meer nicht gerecht werden. Wie dargestellt, haben wir es mit verschiedenen Ereignissen zu tun, von denen manche durchaus eine Folge der Eutrophierung sein können oder zumindest durch den erhöhten Nährstoffeintrag verstärkt werden. Andere Vorkommnisse können offenbar nicht direkt mit der Eutrophierung in Zusammenhang gebracht werden.
Möglicherweise wurde das “klassische Phänomen“ mare sporco aus der Nordadria nicht vom Menschen ausgelöst. Dass es sich dabei um kein unmittelbares Eutrophierungsphänomen handelt, zeigen die ersten Berichte, die in die Zeit vor der industriellen Revolution zurückreichen. In einem Zeitungsbericht aus Triest ist bereits 1729 über eine Schleimplage berichtet worden. Solche ökologischen Ereignisse hatten auf das Leben der Menschen an den Küsten dramatische Auswirkungen und sind in den damaligen Aufzeichnungen gebührend festgehalten (eine Zusammenfassung mit dem Titel:" Gli episodi di mare sporco nell Adriatico dal 1729 ai giorni nostri" wurde von Umani, Ghirardelli und Specchi 1989 veröffentlicht). Die Fischerei war manchmal für Wochen lahmgelegt oder zumindest beeinträchtigt. Italienische Fischer prägten einen weiteren Begriff, aqua pesante (schweres Wasser): Sie fingen kaum Fische, dafür war das Einholen der verklebten Netze durch die schleimigen Massen enorm erschwert.
Seitdem hat es immer wieder solche Berichte gegeben, vor allem in den Zeitungen von Triest. Aber auch aus anderen Regionen wurde darüber berichtet. Zumindest in der Nordadria ist daher die pelagische Meeresverschleimung vermutlich nicht erst durch anthropogene Einflüsse entstanden. Man kann Eutrophierung, Meeresverschmutzung (also den massiven Eintrag zehntausender giftiger, äußerst schädlicher Substanzen unterschiedlichster Natur) und Auftreten von Meeresschleim nicht einfach gleichsetzen, obwohl es zwischen ihnen durchaus Wechselwirkungen geben kann und mit ziemlicher Sicherheit auch gibt. Die Zusammenhänge müssen aber durch künftige Studien genauer erforscht werden. Beispielsweise liegt die Schwierigkeit der Erforschung des Meeresschnee-Phänomens einerseits in der erschwerten Probenahme der sehr fragilen Makroaggregate und zum anderen in den vielfältigen Entstehungsursachen.
Unabhängig von diesen Überlegungen sind die generell durchaus negativen Veränderungen des empfindlichen mediterranen Ökosystems in den letzten 40 Jahren vielerorts nicht zu verkennen (trotz regionaler bzw. lokaler Verbesserungen durch den Bau von Kläranlagen oder geringere Ölverschmutzung). Das typische klare, tiefblaue Mittelmeerwasser ist in manchen Küstenregionen nicht mehr zu finden.
Carl J. Cori über die Meeresverschleimung im Golfe von Triest, 1905
“… sich schwebend im Wasser haltenden Schleim-Massen Beobachtungen anzustellen. Das Erscheinen dieses Schleimes ist seit langem schon ein bekanntes Phänomen, welches in Zwischenräumen von einem oder mehreren Jahren sich bemerkbar zu machen pflegt … durch jene Verschleimung wird die Ausübung des Fischereigewerbes nahezu unmöglich gemacht … tritt in dreierlei Formen auf, und es hat den Anschein, als ob dieselben drei verschiedenen Phasen desselben Prozesses entsprechen … Denn für den Berufsfischer hat diese Erscheinung zur Folge, daß die Ausübung jeglicher Art von Fischerei in den verschleimten Gebieten höchst ergebnisarm ist, insofern der Schleim die Maschen der Netze verklebt … ebenso klagten diejenigen Fischer aus Chioggia (bei Venedig), welche mit dem Grundnetz fischen, daß sie in den Netzen fast nichts als jenen Schleim erbeutet haben … ja wir möchten die Wirkung desselben geradezu als eine katastrophale bezeichnen. Der Schleim, von dessen massenhaftem Auftreten sich niemand einen Begriff machen kann, der nicht Augenzeuge der Erscheinung war … Das Auftreten größerer Massen von Schleim konstatierten wir heuer zum ersten Male am 21. Juli (1905) während einer Fahrt von Grado nach Triest und retour. Damals sahen wir die mit der Strömung treibenden großen Wurzelmundquallen (Rhizostoma) in ihren Armkrausen lange Schleimstränge nach sich ziehen. Eine heftige Bora in der zweiten Woche des August machte aber mit ihrem bekannten reinigenden Einflusse auf das Meerwasser der Verschleimung ein baldiges Ende … sich die Schleimmassen in der Nacht auch als leuchtend erwiesen. In einer mondlosen Nacht, als die ‘Argo’ sich einige Seemeilen vor der Küste von Umago befand, waren alle Teilnehmer an der Expedition von der Intensität dieses Leuchtens ganz überwältigt. Auch das Meer selbst zeigte ein starkes Phosphoreszieren … explosionsartig flammten dann jene Flocken und Stränge in grünem Lichte auf …“
Bilder
Durch Dinoflagellaten plötzlich hervorgerufene “Algenblüte“ (red tide) an der Costa Brava im Frühjahr 1971.
Pelagische Meeresverschleimung an der italienischen Nordadriaküste im Jahr 1989. Das Phänomen wurde schon 1729 schriftlich festgehalten und trat dann mehr oder weniger regelmäßig bis 1939 alle 10–20 Jahre auf. Zwischen 1930 und 1988 ist es nach Berichten nur abgeschwächt aufgetreten und dadurch etwas in Vergessenheit geraten. Erst als 1989 ein besonders massives mare-sporco-Ereignis den Tourismus lahmlegte, rückte das seit langem bekannte Phänomen erneut in den Mittelpunkt des Interesses.
Mucillagine in der Nordadria. Schleim tritt im Meerwasser in verschiedenen “morphologischen“ Formen auf. Diese Formen “reifen“ während etwa 2 bis 3 Monaten in der für den Tourismus so wichtigen Zeit des Hochsommers. Am Anfang eines Ereignisses erscheint das Wasser milchig-weiß trüb (nicht braun, grünlich oder rötlich wie bei Algenblüten), “nebelig“, ohne dass konkrete Strukturen zu erkennen wären. Später beginnt die organische Materie, hauptsächlich Polysaccharide, zu koagulieren. Sie wird von Tag zu Tag dichter und “nimmt Formen an“: Flocken, Stränge und später Wolken. Diese Strukturen im Wasser sind aber trotz ihrer fädigen Struktur kaum greifbar – es handelt sich um keine Algenfäden. Die Aggregationen verschleimen zunehmend. Sie steigen durch immer mehr Gasbläschen letztlich zur Oberfläche auf, wo sie mehr oder weniger kompakte, aber immer noch amorphe schwimmende Matten bilden.
Weitere Entwicklung des Meeresschleimes in der Nordadria.
Dichte schwimmende Matten an der Oberfläche, die in Abhängigkeit von Wind und Strömung oft in Buchten angehäuft werden.
Zum Meeresgrund abgesunkener Schleim, der bereits massiv dem biologischen Abbau unterliegt. Dadurch kann es zu Anoxien kommen, dem ganze Bereiche des benthischen Lebensraumes zum Opfer fallen.
Durch Anoxie geschädigte bzw. abgetötete Schwämme. Die Schleimentwicklung und die darauf folgenden Anoxien haben zu dramatischen Veränderungen sowohl der pelagischen (zeitlich begrenzter Rückgang des Zooplanktons) als auch der benthischen Lebensgemeinschaften geführt. Viele Arten sind selten geworden oder völlig aus dem Lebensraum verschwunden.
Typischer “Meeresschnee“ in der Nordadria.
Literatur:
Hofrichter R. (Hrsg.), 2003: Das Mittelmeer. Band II/1
Alldredge AL, U Passow and SHD Haddock (1998) The characteristics and transparent exopolymer particle (TEP) content of marine snow formed from thecate dinoflagellates. J. Plankton Research. 20: 393–406 € Graham W M, S MacIntyre, AL Alldredge (2000) Diel patterns in the concentration of marine snow and particle flux in surface waters. Deep-Sea Research I. 47: 367–395 € Hansen JLS, T Kiørboe, AL Alldredge (1996) Marine snow derived from abandoned larvacean houses: sinking rates, particle content and mechanisms of aggregate formation. Mar. Ecol. Prog. Ser., 141: 205–215. |
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Delfinschützer und Segler-Legende Rollo Gebhard feiert seinen 85sten
Seit über vierzig Jahren auf den Meeren zu Hause, dreifacher Weltumsegler, Vorsitzender und Gründer der Gesellschaft zur Rettung der Delphine und Autor zahlreicher Bücher, ist Rollo Gebhard zum Inbegriff des Abenteurers – aber auch verantwortungsvollen Mahners und Naturschützers – geworden. Am Freitag, den 7. Juli feiert die Segler-Legende Geburtstag: Rollo Gebhard wird 85.
In Salzburg geboren, in Dresden aufgewachsen, lagen ihm zunächst Theater und Musik am Herzen. Seine Träume aber zogen ihn aufs Meer. Die wagemutigen Fahrten von Rollo Gebhard sind der Stoff aus dem Legenden entstehen:
In einer nur 5,5 Meter langen offenen Jolle überquerte er 1958 das Mittelmeer. Nach diesem "Schnupper-Törn" segelte er das offene Holzboot nach Ägypten, durch den Suez-Kanal und als erster durch das Rote Meer. Dabei wurde er vor der Küste des Jemen von arabischen Piraten gekapert und überlebte nur dank seiner angeborenen Schlitzohrigkeit und viel Charme. 1963 überquerte Gebhard in einem Sperrholz-Kajütboot allein den Atlantik. Bei der Ankunft in New York wurde seine Fahrt als erste Überquerung im kleinsten Boot von den Medien enthusiastisch gefeiert. Danach folgte 1967 bis 1970 die erste Einhand-Weltumseglung, 1975 die zweite auf neuer Route. Damit wurde Rollo Gebhard zum ersten Deutschen, der die Welt zweimal allein umsegelt hatte. Sein Boot steht heute im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, denn es ist das kleinste Schiff der Welt, das zweimal die Erde umrundete.
Als Krönung seiner seglerischen Laufbahn unternahm er dann zusammen mit seiner Lebensgefährtin und jetzigen Ehefrau Angelika noch eine dritte Weltumseglung. Sie führte das Paar in sechs Jahren auf alle Ozeane und zu allen Kontinenten bis hinauf nach Alaska und endete mit einer sportlichen Höchstleistung, als sie in sechs Monaten nonstop von Australien um die halbe Erde bis nach Emden segelten.
Rollo Gebhard, der das Bundesverdienstkreuz und höchste seglerische Auszeichnungen erhalten hat, setzte sich nach der Heimkehr für die Erhaltung der Meere ein. Erschüttert vom millionenfachen Sterben der Delfine in den Treibnetzen der Tunfischfänger gründete er 1991 die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), mit Sitz in München, und leitet die Organisation seither als Vorsitzender. "Es ist meine Verpflichtung als Segler", begründete er seine Initiative damals.
Neben dem seit 1991 immer noch brandaktuellen Kampf gegen "delfintödliche" Netze, setzt sich die GRD heute in einem weltumspannenden Netzwerk mit Schutzprojekten für das Überleben bedrohter Delfinpopulationen ein, wie zum Beispiel in Kroatien, Peru oder Mosambik. So ist Rollo Gebhard heute nicht nur Segler-Legende, sondern auch Symbolfigur für den Delfinschutz in Deutschland und weit darüber hinaus.
Nach zahlreichen Büchern und diversen Fernsehserien erschien im vergangenen Herbst mit "Logbuch eines Lebens" seine Biographie, in der Rollo Gebhard erstmals Einblick in sein faszinierendes Leben gewährt.
Am 7. Juli feiert er mit vielen Freunden und Weggefährten seinen 85. Geburtstag in Garmisch-Partenkirchen, dort wo das Logbuch seines Lebens einst seinen Anfang nahm.
Artikel auf Spiegel-Online:
Pro-Walfang-Abstimmung - Karibischen Staaten droht Boykott
Andrea Steffen (GRD-Projektleiterin Pottwalforschungsstation Dominica) im Interview zum Ausgang der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC).
weitere Infos unter:
www.delphinschutz.org/projekte/dominika/index.htm#GRD-Pottwalforschungsstation
oder
www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,422530,00.html
Die Projekte des GRD helfen, Delfine vor dem Aussterben zu bewahren. Mails an info@delphinschutz.org |
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Bedrohte Meeresküsten: tausendfach schlechtere Wasserqualität? 90 Prozent aller Arten (!) bereits ausgestorben
Ein Beitrag von Robert Hofrichter
ergänzt nach Lotze, 2006 (Science) und http://science.orf.at/science/news/144907
Quellen
Lotze Heike K. et al., 2006: Depletion, Degradation, and Recovery Potential of Estuaries and Coastal Seas.. Science (Bd. 312, 23. Juni 2006, S. 1806). Das Mittelmeer, 2001.
Die Autorin
Heike K. Lotze, PhD
Canada Research Chair in Marine Renewable Resources
Department of Biology, Dalhousie University
1355 Oxford Street, Halifax, Nova Scotia, B3H 4J1 CANADA
Phone: 902 – 494 2478, Fax: 902 – 494 3736
Email: hlotze@dal.ca, Web: http://myweb.dal.ca/hlotze/
Vor einigen Tagen erhielt ich folgende Email von einem Freund in Tirol: Weißt Du was mit den Seeigeln in Kroatien (Rovinj) passiert ist?
1999 gab es noch haufenweise Seeigel, 2001 etwas weniger und 2006 überhaupt keinen einzigen mehr. Ist denen die Wasserqualität zu gut geworden? Außerdem verschwunden: Miesmuscheln, Seesterne, Seegurken deutlich weniger und Cystoseira überwüchert langsam alles...
Nun, das Meer ist ein äußerst dynamischer Lebensraum und vieles kann oszillieren und sich auch natürlich verändern. Manche der Veränderungen bei Rovinj könnten durchwegs auf eine Verbesserung der Wasserqualität hinweisen, so die Rückkehr der für das Mittelmeer so wichtigen Braunalge Cystoseira . Diese ist nämlich in den 70er und 80er Jahren langsam aus der Region verschwunden, nachdem sie Ende der 60er Jahre noch nahezu alle Felsen im Litoralbereich bedeckt hat... Darauf folgte eine Massenvermehrung der Seeigel. Übrigens hat sich auch Posidonia oceanica, das Neptungras und die wichtigste Seegrasart des Mittelmeeres, früher nördlich bis Piran vorkommend, immer weiter nach Süden zurückgezogen. Die letzten Bestände findet man heute bei der Südspitze Istriens (Premantura), also weit mehr als 100 km weiter südlich.
Es ist schwer zu verstehen, dieses komplexe Ökosystem Meer, doch eines ist allen klar und auch ohne besondere Vorkenntnisse offensichtlich: Küsten und Strände sind als Lebensraum einem besonderen Druck ausgesetzt, alles verändert sich, die Vielfalt des Lebens geht zurück. Wo man am Mittelmeer noch in der Kindheit schnorchelnd eine faszinierende Vielfalt erlebt hat, ist heute oft nichts als Wasser zu sehen. Kaum ein kleiner Fisch ist zu erblicken. Ob das vielleicht nur ein subjektiver Eindruck ist? Nun, wie schlimm die Situation tatsächlich ist, zeigt ein brandaktueller Beitrag in der renommierten Zeitschrift Science.
Der Mensch ist laut dieser neuen Studie der Meeresökologin Heike K. Lotze von der Dalhousie University in Halifax und ihre internationalen Kollegen dafür verantwortlich, dass rund 90 Prozent aller Meerestiere und -pflanzen in den Küstenregionen ausgestorben sind. Mehr als die Hälfte der Seegras- und Feuchtgebiete verschwanden in den vergangenen Jahrhunderten von der Landkarte und die Wasserqualität hat um das bis zu Tausendfache abgenommen (!). Die Untersuchung ist nach Angabe der Forscher die umfassendste Aufnahme des Zustandes von Meeresarmen und Küstengewässern, die bisher unternommen worden ist.
Heike K. Lotze konnte deutlich zeigen, dass der vom Mensch ausgehende Einfluss auf die Küstenökosysteme kein Phänomen der Moderne ist und bis in die Antike zurückreicht. Hauptursachen für die ökologische Krise sind die Ausbeutung der Ressourcen und die Zerstörung von Lebensräumen. Eine erste ernste Verknappung der Ressourcen konnten die Wissenschaftler bereits 2500 v. Chr. im Adria-Raum feststellen, sowie 1000 v. Chr. im Wattenmeer und der Baltischen See und mit Beginn der europäischen Kolonialisierung auch in Nordamerika und Australien.
Auch wenn die Ökosysteme der Küsten bereits früh unter dem Fischfang und der Besiedelung durch den Menschen litten, so zeigt sich ein erheblicher Schaden erst seit den letzten 150 bis 300 Jahren. Dabei spielten eine stärkere Bevölkerungszunahme, eine größere Nachfrage nach Ressourcen, die Entwicklung von Märkten für Luxusgüter und die sich ausbreitende Industrialisierung eine große Rolle. Waren die maritimen Ökosysteme einmal biologisch sehr reich und vielfältig, so ist von der Diversität nicht mehr viel geblieben. Laut Lotze und ihrem Team haben sich die Populationen der meisten Säugetiere, Vögel und Reptilien an den Meeresarmen bis 1900 merklich verringert und nahmen weiter ab, als 1950 die Nachfrage nach Nahrung, Öl und Luxusgüter wie etwa Pelze, Federn und Elfenbein anstieg. Beim Fisch lautete die Reihenfolge der Populationsabnahme: Lachs und Stör zuerst, dann Thunfisch und Hai, gefolgt von Kabeljau und Heilbutt, Hering und Sardinen. Bei den Wirbellosen waren es als erstes die Austern, die viel einbrachten und leicht verfügbar waren; die angewendeten Fangmethoden waren sehr zerstörerisch.
Die Erkenntnisse der Wissenschaftler stützen sich auf eine Untersuchung von zwölf Meeresarmen und Küstengewässern in Europa, Nordamerika und Australien - vom Anbeginn menschlicher Besiedlung bis heute. Dafür kombinierten sie paläontologischen, archäologischen, historischen und ökologische Aufzeichnungen. Sie dokumentierten die Veränderungen der Arten, Habitate, Wasserqualität und Invasionen von Fremdarten. Im Vergleich mit anderen Ökosystemen des Meeres wie beispielsweise den Korallenriffen haben die Meeresarme und Küstengewässer bisher nur wenig Aufmerksamkeit erhalten, erklärte Lotze den schleichenden Prozess der Degeneration.
Die Wissenschaftler machen die Ausbeutung durch den Menschen für 95 Prozent des Artenrückgangs und 96 Prozent des Artensterbens verantwortlich - beides häufig in Kombination mit der Zerstörung der Habitate. Die Autoren zeigen auf, dass gerade in den letzten Jahren auch der Klimawandel und fremde Arten einen erheblichen Druck auf die Küstenbewohner aus dem Tier- und Pflanzenreich ausgeübt haben.
Doch ist es trotz der dramatischen Situation nicht zu spät. Alleinig Schutzmaßnahmen können die fortschreitende Degeneration stoppen. Der schnellste Ausweg sei es, das Zusammenwirken von menschlichem Handeln zu unterbinden. Dabei sei es schon erfolgsversprechend, wenn mindestens zwei Aktivitäten eingestellt würden, u.a. die Ausbeutung der Ressourcen, die Zerstörung der Habitate oder die Verschmutzung.
Die gute Nachricht zum Schluss lautet daher: Eine Erholung der Ökosysteme ist möglich! Bei den untersuchten Gebieten zeichnete sich nach entsprechenden Schutzmaßnahmen eine Verbesserung der Situation ab. Selbst kleinere Initiativen und Anstrengungen können für den Lebensraum Küste viel Positives bringen!
Abbildung/Illustration:
Was passiert mit den Lagunen?


Natürliche Entstehung und durch den Menschen geprägte Entwicklung zweier benachbarter Lagunen in Südfrankreich. Nebeneinander liegende Lagunen können sich durch menschlichen Einfluss völlig unterschiedlich entwickeln, wie eine Untersuchung an den Lagunen von La Palme und Salses-Leucate in Frankreich zeigt : (a bis f). Während beide Lagunen im 18. Jahrhundert flache, relativ durchlässige, zeitweise auch geschlossene Verbindungen zum Meer hatten (c), wurde die La Palme-Lagune durch den Bau eines Eisenbahndammes vom Meer abgeschlossen, wobei nur im Süden der Lagune ein 10 m breiter Durchlass zur Ableitung von Hochwasser offen gelassen wurde (d). e) Anfang des 20. Jahrhunderts wurden etwa 40 Prozent des nördlichen Teiles der Lagune für die Salzgewinnung (S) abgetrennt. f) Ungefähr 1965 begannen die baulichen Maßnahmen an der Nachbarlagune Salses-Leucate, die bis dahin unverändert geblieben war. Der Bau von zwei großen Touristenzentren mit 100000 Übernachtungsmöglichkeiten, mehreren Hafenbecken, drei ständigen Öffnungen zum Meer von bis zu 100 Meter Breite anstelle von zwei temporären Verbindungen, mehreren Straßen, Brücken, Schleusentoren und einer künstlichen Insel hat die Lagune vollständig verändert.
Heute gibt es im gesamten Mittelmeerraum wohl kaum eine Lagune, die nicht durch den Menschen verändert worden ist. Sein vielfältiger Einfluss kann das Einzugsgebiet der Lagune betreffen, die Topographie der Lagune selbst und/oder ihre Verbindung zum Meer. Viele lagunäre Lebensräume sind durch Aufschütten und Trockenlegen verschwunden oder durch Abtrennen von Teilen für Salzgewinnungsanlagen, Aquakulturen, Reisanbaugebiete usw. verkleinert worden. Manche Lagunen sind erst durch den Menschen entstanden (Ponant mit 240 ha, Sarrazine mit 13 ha). Der Bau von Eisenbahnlinien, Kanälen oder Straßen hat häufig die ursprünglichen Wasserflächen fragmentiert oder teilweise vom Meer abgeschnitten. So gab es noch im 17. Jahrhundert zwischen Agde und Mauguio (Frankreich) eine einzige langgestreckte Lagune. Durch den parallel zur Küste verlaufenden Kanal zwischen Rhône und Sète wurde diese Lagune 1740 durch einen Längsschnitt getrennt, wodurch der landseitige Teil kaum noch in Verbindung mit dem Meer stand. Das Eindeichen von Zuflüssen, der Bau von Straßen und Dämmen und das Auffüllen von über 300 ha Feuchtgebiet hat dieses Gebiet weiter fragmentiert und verkleinert. Auf diese Weise sind 13 Lagunen entstanden, deren schlecht durchströmte Totwasserzonen oft Ausgangspunkt für das “Umkippen“ des Gewässers sind.
Die Lagunen von Venedig wurden seit dem 14. Jahrhundert stark verändert. Aus Angst vor dem Verlust der geschützten Insellage durch Verlanden der Lagune wurde mit dem Umleiten von Flüssen begonnen, um den Sedimenteintrag zu verringern. Von der ursprünglichen Lagunenfläche gingen durch das Umwandeln in Acker- und Weideland 40 km2 verloren, durch das Abtrennen von Vallikulturanlagen* (Exkurs S. 530 ff.) 85 km2 und den Bau des Industriegebiets von Marghera weitere 32 km2. Das Ausbaggern von Schifffahrtsrinnen, das Schließen von fünf der acht Öffnungen zum Meer, das Einleiten großer Mengen ungeklärten Abwassers sowie das Absenken des Grundwasserspiegels durch übermäßige Wasserentnahme für Industrie, Landwirtschaft und Tourismus haben Form und natürliche Dynamik der Lagune vollkommen verändert. Heute beobachten wir unter anderem eine massenhafte Vermehrung von Grünalgen wie Ulva rigida, daneben, eher unerwartet, zunehmende Überschwemmungen der Stadt (Aqua alta) und einen höheren Tidenhub als im angrenzenden Meer.
Ein weiteres Beispiel für den Einfluss des Menschen auf den lagunären Lebensraum am Mittelmeer ist die Berre-Lagune (Frankreich). Ab 1550 wurden erste Kanäle zur Be- und Entwässerung von landwirtschaftlichen Flächen angelegt; seit 1863 steht die Lagune durch einen 3 m tiefen künstlichen Kanal, der 1874 auf 6 m und 1925 auf 9 m vertieft wurde, in ständigem Austausch mit dem Meer. 1966 wurde ein Kraftwerk in Betrieb genommen, dessen Kühlwasser (aus der dafür umgeleiteten Durance) in die Lagune strömt. Das jährlich eintretende Süßwasservolumen stieg so von 220 Millionen Kubikmeter auf 3820 Millionen Kubikmeter und der Sedimenteintrag von 25000 auf 675000 Tonnen. Abgesehen von der kompletten Veränderung der Biozönose bildete sich eine extrem stabile Sprungschicht*, die einen Austausch zwischen schwerem, salzhaltigem Hypolimnion* und leichtem Epilimnion* verhindert. In der Bodenschicht herrschen ständig anaerobe Verhältnisse, wodurch Seegraswiesen und Zoobenthos fast vollständig verschwunden sind.
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Bepflanzte Küsten schützen vor Tsunamis Ein Bericht von Robert Hofrichter
Meeresküsten sind extrem gefährdete Lebensräume. Der Druck der menschlichen Nutzung ist seit Anbeginn der Zivilisation groß. Er war bereits in der Antike enorm und ist seit Beginn der Industrialisierung stetig auf ein kaum noch erträgliches Maß gestiegen. Es liegt der Natur der Sache, dass der Mensch die Küsten besiedelt, genauso wie er in den vom Hochwasser gefährdeten Flusstälern der Alpen seine Häuser baut. Hier sind seine wirtschaftliche Chancen, sein Überleben sicherer. Aber manchmal eben nur scheinbar. Erst die Küsten haben mit Aufstieg der Zivilisation den Menschen den Weg eröffnet wirklich reich zu werden. Ohne Transport, Schiffsverkehr und Handel hätte es das Römische Reich, Genua, Venedig und alle anderen Zentren von Macht und Reichtum nie geben können.
Doch der Mensch ist unersättlich und es ist für ihn symptomatisch, dass er sich immer weiter vorwagt und keine Grenzen akzeptieren will. Je länger die Zeiträume ohne größere Naturkatastrophen sind, desto sicherer fühlt er sich in seinem Umwelt zerstörenden und oft rücksichtslosen Treiben. Das mussten auch die Bewohner des Kamptales oder der Tiroler Täler erst jüngst wieder zur Kenntnis nehmen...
Es ist eine einleuchtende Erkenntnis, dass Küstenstreifen, die mit Bäumen bewachsen sind, für dahinter liegende Siedlungen, Ortschaften und Menschen wirksamen Schutz vor großen Flutwellen wie etwa Tsunamis bieten. Diese scheinbar trivial klingende Einsicht erfordert eigentlich keine wissenschaftlichen Beweise. Doch wenn sich selbst das berühmte Wissenschaftsmagazin Science mit dem Thema beschäftigt, muss es einen tieferen Grund dafür geben. Und dieser tiefere Grund ist: Die Menschen müssen ständig daran erinnert werden, dass sie leider oft gegen ihre eigenen Interessen handeln.
So beispielsweise die massive, großflächige Zerstörung der Mangrovenwälder in den letzten 50 Jahren und der große Tsunami vom 26. Dezember 2004. Mangroven sind aus Sicht der Forscher eine der weltweit am stärksten bedrohten, tropischen Ökosysteme. Bestandsschutz und Neubepflanzung der Küsten mit Mangroven könnte helfen, bewohnte Gegenden vor künftigen Stürmen und Tsunamis zu schützen. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität Kopenhagen und der Nordischen Agentur für Entwicklung und Ökologie (Nordeco) um Finn Danielsen, die einen 21 Kilometer langen Küstenstreifen in Südostindien untersuchten, der 2004 vom Tsunami getroffen wurde. Die Katastrophe in Südostasien vom 26. Dezember 2004 hatte vermutlich um die 300.000 Menschleben gekostet, die genaue Opferbilanz wird aber wohl nie ermittelt werden können.
Teile der untersuchten Küstenstreifen hatten zur Zeit der Flutwelle einen Mangrovensaum. Diese wurden mit den abgeholzten Regionen verglichen. Die Dörfer hinter den Bäumen wiesen deutlich weniger Zerstörung durch die Tsunami-Wellen auf als Dörfer in ungeschützten Bereichen, lautet die klare Aussage der Studien. Offenbar absorbieren die Mangrovenbäume einen Teil der von der Flutwelle freigesetzten Energie, die andernfalls die dahinter liegenden Orte direkt getroffen hätte.
Dass die untersuchte Region nicht die am stärksten von den Wassermassen betroffene gewesen ist, ändert wohl nichts an der Grundaussage der Studie. Es sei zwar unklar, ob Küstenbepflanzung die furchtbare Zerstörung in Indonesien überall hätte abschwächen können, doch sicher ist, dass gesunde Mangrovenbestände einen guten Schutz gegen Flutwellen bieten. Abgesehen davon erfüllen sie andere enorm wichtige ökologische Aufgaben. Sie sind die Kinderstube anderer marinen Lebensräume, etwa der Korallenriffe, sie sind ein enorm wichtiger Lebensraum für unzählige spezialisierte Tiere und Pflanzen. Im Vergleich zu den unbewachsenen Wattflächen vervielfacht das dichte Wurzelwerk der Mangroven das Platzangebot für anderen Organismen und bietet auf engem Raum eine hohe Zahl kleinster Habitate. Unzählige Fische, Krabben und Muscheln bevölkern das Wasser, auf den Wurzeln der Bäume siedeln Algen, Seepocken, Austern, Schwämme und Schnecken. In den Wasser führenden Rinnen tummeln sich Pistolenkrebse und Fische und auf den Schlickflächen finden sich große Zahlen an Winkerkrabben. In den darüber liegenden Etagen des Mangrovenwaldes leben Reptilien, Vögel und Säugetiere. Seekühe suchen die geschützten Mangroven zum Kalben auf und Affen dringen zum Krabbenfang in Uferbereich vor. Zahlreiche Wasservögel, wie Kormorane, Eisvögel, Ibise, Reiher und Fregattvögel nutzen das reiche Nahrungsangebot und nisten in den Baumkronen. Die Mangroven zählen neben Korallenriffen und tropischen Regenwäldern zu den produktivsten Ökosystemen der Erde und liefern mit abfallenden Blättern, Blüten und Früchten mehr als drei Kilogramm organisches Material pro Jahr und Quadratmeter, die von Bakterien und Pilze zersetzt und in die Nahrungskette zurückgeführt werden. Kleine Fische, Garnelen und Weichtiere ernähren sich von diesem Abfall oder Detritus, der mit den Mikroorganismen angereichert ist und werden selbst wieder zur Beute anderer Organismen. Mit den Gezeiten werden Schwebstoffe aus den Mangroven herausgeschwemmt und versorgen benachbarte Korallenriffe und Seegraswiesen mit organischem Material. Zudem dienen die geschützten Gewässer zwischen den Wurzeln den Larven und Jungtieren zahlreicher Fischarten ideale Bedingungen (teilweise zitiert aus www.lighthouse-foundation.org/index.php?id=74).
Mit dem Niedergang der Mangroven geht das Aussterben vieler Arten einher, ein enormer Verlust biologischer Vielfalt, ein Rückgang der Produktivität des Meeres. Man kann nicht erwarten, dass man den Rand eines ganzen Ökosystems zerstört und das System dennoch ungestört weiter funktioniert. Mangroven verdienen genauso viel Aufmerksamkeit wie die nicht minder bedrohten tropischen Regenwälder!
Schätzungsweise 50 Prozent der ursprünglich vorhandenen Mangrovenwälder sind in den vergangenen Jahrzehnten weltweit zerstört worden. Traditionell wird das Holz der Mangroven zur Gewinnung von Brennholz, Holzkohle oder Gerbstoffen genutzt. Aber die Entnahme von vergleichsweise geringen Holzmengen durch die Küstenbevölkerung hat die Mangroven in ihrem Bestand nicht gefährdet. Erst die großflächige Zerstörung durch die Umwandlung in Reis- und Kokospalmenplantagen und sogar Bauland durch Trockenlegung hat die Situation dramatisch geschärft. Vor allem die Anlage von Zuchtfarmen für Garnelen hat wesentlich zu einem Rückgang der Mangrovenflächen in allen Teilen der Erde beigetragen. Beispielsweise sind in Ecuador und auf den Philippinen durch die Shrimp Aquaculture Industry und deren ungehemmte Ausdehnung mittlerweile schon 70 % der dortigen Mangrovenwälder abgeholzt. Problematisch ist die Nutzung eines Gebietes für die Shrimpzucht, weil die Shrimpteiche nach nur drei- bis maximal zehnjähriger Nutzung aufgrund der Verseuchung der Teichböden mit Chemikalien wieder aufgegeben werden müssen und eine Aufforstung über Jahrzehnte hinweg meist unmöglich ist.
Ob Rotes Meer, Seychellen, Galápagos oder andere Ziele: Ganz gleich, wohin die naturkundliche Reisen des RSEC / fnz führen, das nähere Studieren der Mangroven spielt daher bei unseren Exkursionen immer eine wichtige Rolle.
Quelle: Danielsen F. et al., 2005: The Asian Tsunami: A Protective Role for Coastal Vegetation. Science, Bd. 310, S. 643.
www.lighthouse-foundation.org
Literatur-Tipp: Simon Jit Singh: Die Nikobaren. Das kuturelle Erbe nach de Tsunami. Herausgegeben von Oliver Lehmann. Czernin-Verlag. Das Buch beschäftigt sich mit den sozialen und kulturellen Folgen der Naturkatastrophe vom Dezember 2004. Der Autor ist ein indischer Humanökologe,.
Bilder: Überwinternde Löffler in den Mangroven von Nabq (Sinai, Rotes Meer). Riesige Krabbe in den Mangroven der Seychellen. Die Luftwurzeln sind eine ökologische Anpassung an die extremen Bodenverhältnisse der Mangrovensümpfe (viel Salz, kaum Sauerstoff). |
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Der Riese und die Ratte Kampagne zur UNO/FAO zur Rettung der Palmendiebe
Die Vereinten Nationen bzw. die FAO haben angekündigt, mit einer Großkampagne dem Palmendieb (Birgus latro) helfen zu wollen. Die Fantasie der Journalisten kennt keine Grenzen und so wurde in diesem Zusammenhang auch die Bezeichnung "Godzilla-Krabbe" geboren (link). Hier heißt es: “ Der Palmendieb kommt auf Inseln im Pazifik und im östlichen Indischen Ozean vor. Die Spannweite der Beine kann bis zu einem Meter betragen. Mit seinen großen Scheren ist er sogar in der Lage, Kokosnüsse zu öffnen. Wegen seiner enormen Ausmaße und Stärke wird er auch "Godzilla-Krabbe" genannt. Tuvalu besteht aus neun Inseln und liegt im Südwesten des Pazifischen Ozeans, nördlich von Neuseeland.”
Den Namen "Godzilla-Krabbe" gibt es zwar nicht wirklich und die Größenangaben sind leicht übertrieben, aber in der Tat gelten die Tiere als die größten landlebenden Zehnfußkrebse und sie zählen zu den größten Landwirbellosen der Welt. Etwas sachlicher ist die durch den Journalisten verwendete Quelle, nämlich http://de.wikipedia.org/wiki/Palmendieb: Der Palmendieb (Birgus latro), im angelsächsischen Sprachraum auch Ganjokrebs oder Kokoskrebs (engl. coconut crab) genannt, ist ein zur Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda) gehörendes Krebstier (Crustacea) aus der Familie der Landeinsiedlerkrebse (Coenobitidae). Dieser Familie werden zwei Gattungen zugeordnet: Die Gattung Coenobita, zu der etwa 15 Arten gehören, und die Gattung Birgus, deren einziger Vertreter der Palmendieb ist. Der Palmendieb, der unter anderem in der Lage ist, eine Kokosnuss zu öffnen, ist das größte an Land lebende Krebstier der Erde.
Auslöser der Initiative war die aktuelle Entwicklung auf der Inselgruppe Tuvalu im südwestlichen Pazifik , wo die Population der Palmendiebe massiv von Horden von Hausratten bedroht ist. Darauf wurde sogar die Welternährungsorganisation FAO aufmerksam. Die Ratten verspeisten auf den Inseln riesige Mengen an Kokosnüssen, die ebenfalls das Hauptnahrungsmittel der Krabbe seien – daher wird sie unter anderem auch Palmendieb oder Kokoskrabbe genannt.
Um den als Wunder der Tierwelt geltenden Palmendieb vor dem Aussterben zu bewahren, will die FAO jetzt gegen die Ratten vorgehen. Das rund 157.000,- EURO teure Projekt beinhaltet die Auslegung von mit Rattengift versehenen Ködern, um die Schädlinge zu dezimieren. Hoffentlich haben sich die Verantwortlichen die Vorgangsweise gut überlegt und es werden nicht die heimischen Tierarten vergiftet... Interessant ist übrigens, dass nicht nur Ratten die Palmendiebe schädigen können, sondern auch Palmendiebe Ratten erbeuten, wie die folgenden Betrachtungen der ökologischen Rolle der Ratten auf den Seychellen zeigen.
Ratten gehören zu den wenigen Arten, für die der Mensch einen Segen bedeutete, denn ohne seine Hilfe hätten sie nie eine so weite Verbreitung erreichen können. Nachdem die Hausratte (Rattus rattus) im 15. bis 17. Jahrhundert zu einer der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit – der Pest – ihren Beitrag geleistet hatte, wurde sie durch die Schifffahrt in die ganze Welt ausgebreitet. Von den ursprünglichen Lebensräumen in Asien hat sie sich als reproduktionsfreudiger Kulturfolger in die ganze Welt verbreitet, und nur wenige Inseln im Ozean blieben vor ihr verschont. Die meisten Seychelleninseln gehören leider nicht zu ihnen. Vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelangte sie auch hierher. In der neu eroberten Heimat sorgten die Ratten dann für weitere Katastrophen, diesmal ökologischer Natur.
Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Auswirkungen der Ankunft der Hausratten auf verschiedenen Inseln. Dort, wo es bereits vorher endemische Rattenarten gegeben hat, wie beispielsweise auf Christmas Island, Galapagos oder den Westindischen Inseln, waren die Schäden an der endemischen Vogelwelt geringer. Offensichtlich hatten sich die dortigen Vogelarten in ihrem Verhalten der Gefahr eines derartigen Predators und Bruträubers angepasst und entsprechende Gegenstrategien entwickelt. Katastrophal waren die Folgen der Ratteninvasion vor allem dort, wo es vorher keine Ratten gegeben hat - so auch auf den Seychellen, wo außer einer Flughund- und einer Fledermausart ursprünglich keine Landsäugetiere lebten. Auf solchen Inseln konnte es innerhalb einiger Jahrzehnte zum vollständigen Aussterben von Vogelarten, aber auch anderen Tieren kommen, denn ihnen fehlten die entsprechenden Feinde vermeidenden Überlebensstrategien.
Das bisher Gesagte klingt einleuchtend, doch gibt es auf den Seychellen auch ursprünglich rattenfreie Inseln, auf denen die Ankunft der Hausratten kein großes Artensterben zur Folge hatte. Neben Samoa oder Tonga ist auch das zu den Seychellen zählende Aldabra-Atoll ein Beispiel dafür. Wie ist das erklärbar? Untersuchungen haben eine bemerkenswerte Erkenntnis zutage gefördert: Auf solchen Inseln bildeten große Landkrabben eine Art “Rattenäquivalent“. Sie sorgten für einen Feinddruck, der mit jenem der Ratten einiges gemeinsam hat und für die Vögel die Entwicklung entsprechender Verhaltensweisen und Abwehrstrategien notwendig machte. Ähnlich wie Hausratten können auch manche große Landkrabben auf Bäume klettern, so der Gigant unter ihnen, der Palmendieb, und dort Eier und Jungvögel fressen. Diese Krabbe kann aber auch ausgewachsene Ratten erbeuten, was auf Aldabra wiederholt beobachtet wurde. Die Ankunft der Ratten auf Inseln mit “Rattenäquivalent“ bedeutete für die Vögel zwar einen zusätzlichen neuen Feind, aber trotz Verluste wurden sie dank der entsprechenden Strategien mit dieser Gefahr fertig.
Allerdings sollen die Ratten auf Aldabra keinesfalls als “harmlose“ Tiere hingestellt werden: Sie sind hier zwar überwiegend Vegetarier, richten aber trotzdem großen Schaden an der Vogelwelt und sogar an jungen Meeresschildkröten an, die sich nach dem Schlüpfen in der Nacht schnell über den Sandstrand zum Meer bemühen. Die rattenfreien Inseln Cousin, Cousine, Frégate und Aride bleiben die wichtigsten und bekanntesten Vogelinseln der Seychellen. Bird Island – auch eine berühmte Vogelinsel – wurde erst 1967 von Ratten verseucht. Sie versteckten sich in einer Lieferung großer Blätter, die als Dachbedeckung für Häuser und Hütten bestimmt war. Ratten richten seitdem - vorläufig begrenzt - Schaden an Kokospalmen und Vögeln an.
Nicht nur Vögel, sondern auch viele andere Tiergruppen wurden auf den Seychellen durch Ratten negativ beeinflußt. Der endemische Bronzegecko (Ailuronyx sechellensis) ist nur auf rattenfreien Inseln wirklich häufig. Auf Marianne, wo Bronzegeckos ursprünglich sicher vorkamen, ist diese Art nach der Ankunft der Ratten verschwunden. Auch auf Mahé und La Digue - beides Inseln mit Ratten - ist der Bronzegecko sehr selten. Die endemische Wolfschlange (Lycognathopis seychellensis) wird ebenfalls von großen Ratten angegriffen.
Viele Versuche, der Rattenplage Herr zu werden, gingen leider in die falsche Richtung. Durch die eingeschleppten Katzen erhielten die endemischen Vögel – die man durch die Katzen eigentlich schützen wollte – einen zusätzlichen Feind, und die 1949 aus Ostafrika eingeführte Schleiereule (Tyto alba affinis) kann die Ratten – trotz regelmäßiger Jagd auf sie, wie Analysen der Eulen-Nahrungsreste zeigen – nicht wirklich ausrotten. Durch Schleiereulen nahezu ausgerottet wurden auf Mahé, Praslin und zum Teil auch auf La Digue vielmehr die zierlichen weißen Feenseeschwalben, die den Air Seychelles als Wahrzeichen dienen. Die gezielte Bekämpfung der Schleiereule – 30 Rupies Belohnung für einen erlegten Vogel – führte nicht wirklich zu ihrer Dezimierung. Heute ist sie auf nahezu allen Granitinseln einschließlich Cousin und Cousine zu finden. |
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Vier Seychellenreisen 2007 – ein Grund zur Freude
Alle Freunde der Seychellen und die, die es noch werden wollen, haben einen Grund zur Freude. 2007 wird das RSEC in Kooperation mit tauchen und meer wegen regem Interesse gleich 4 Seychellenreisen anbieten. Alle finden in der wetterbegünstigten Zwischenmonsunzeit statt: 2 im April bis Mitte Mai und zwei im Oktober. Der Oktober hat sich außerdem auch als ideale Zeit für die Beobachtung von Walhaien herausgestellt (siehe dazu die Erlebnisberichte auf unserer Webseite).
In der Natur ist es schwer Garantien abzugeben, denn natürlich können die Walhaie in einer Saison aus irgendwelchen unergründlichen Gründen ausbleiben. Doch bis jetzt haben wir sie immer beobachten können, zuletzt gleich mit mindestens 20-30 Sichtungen in nur 2 Stunden. Diese Reisen mit dem Biologen und Autor des Naturführers Seychellen – Juwelen im Indischen Ozean, Robert Hofrichter haben bereits eine mehrjährige Tradition. Immer wieder haben wir – aus Erfahrungen lernend – das Programm und die Organisation optimiert und verbessert, so dass nun die Teilnehmer ein einzigartiges Programm erwartet. In nur 2 Wochen so viel von den Seychellen kennen zu lernen und so viel zu erleben – das wäre sonst nicht ohne weiteres möglich. Das RSEC ist eben Der Seychellenspezialist in Sachen Natur!
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Donaudelta 2006: Im Reich von Plaur* & Pelikan
Ein erster Kurzbericht von Robert Hofrichter
Wir, eine glückliche Gruppe von 16 Naturfreunden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, sind nach einer Donaudelta-Exkursion wieder in die Heimat zurückgekehrt! Besser hätten wir uns die Reise nicht wünschen können, denn selbst jene Dinge, auf die man wenig Einfluss hat (etwa die Witterung oder die Kochkünste des Küchenpersonals), waren durchwegs wunderbar.
Ein ziemlich kalter Wind war zwar unser ständiger Begleiter, dafür war es aber immer sonnig. Erst am Tag der Abreise regnete es. Es bestätigte sich, was die Klimadaten sagen: Im Delta sind lediglich 25 bis 30 Tage jährlich windstill. NO dominiert (gefolgt von SW und NW) und der kalte Nordwind hat uns tatsächlich nur selten eine Pause gegönnt. Die Fischer des Deltas unterscheiden übrigens 10 verschiedene Winde (N – Polnocsi, NNO – Purujász, NO – Zinovkij, O – Vosztok, SOO – Abazia, SSO – Poludjona, S – Moreana, SW – Lodusz, W – Zapad, NW – Karajile).
Es war eine Bildungs- und Erlebnisreise im wahrsten Sinn des Wortes. Walter Hödl (Professor an der Uni Wien), eine Kapazität auf dem Gebiet der akustischen und optischen Kommunikation bei Fröschen, ist es zu verdanken, dass selbst jene von der Reise als Froschfreunde zurückgekehrt sind, die vorher Froschgequake nicht ausstehen konnten. Norbert Sauberer ist zwar hauptberuflich Botaniker, doch haben wir alle festgestellt, dass er einen mindestens ebenso guten Ornithologen abgibt. Erhard Kraus (hier ein kurzes Wort der Bewunderung für sein breit gefächertes Wissen), kräftig unterstütz durch Norbert Ramsauer, Martin Knecht und Manfred Leitner, können wir, die Nichtornithologen, verdanken, dass kaum ein vorbeifliegender Vogel unerkannt blieb. Das war besonders wichtig, weil unsere Gruppe nicht nur aus erfahrenen und eingefleischten Birdern bestand. Martin Knecht (Zürich) bereicherte unser Programm (neben Ornithologie) spontan durch einen politologisch/historischen Vortrag über Rumänien und Osteuropa (wir haben alle gestaunt...), Dieter Zander (em. Zoologieprofessor aus Hamburg) über (nicht nur Dreistachelige) Stichlinge. Norbert Sauberer verdanken wir eine perfekt geführte Arten- und Beobachtungsliste, dem unermüdlichen Norbert Ramsauer (neben seinem umfassenden ornithologischen Wissen) viele unglaubliche Fotos von Trielen, Rohrschwirlen und weiteren ornithologischen Kostbarkeiten, die er durch einen Trick mittels Spektiv auf seiner Digitalkamera festhält...
Bereichert durch unvergessliche Naturerlebnisse und Beobachtungen, viel neues Fachwissen, neue Freundschaften und unzählige schöne Fotos, nahmen wir den Alltag wieder auf uns, um vielleicht schon bald noch größere Herausforderungen anzunehmen, ist das Donaudelta doch „nur“ zweitgrößte Delta Europas ...
(das Donaudelta ist mit 478.460 ha das zweitgrößte Delta Europas und das 26. Delta der Welt. Das Wolgadelta ist fünfmal so groß ...)
Die Exkursionsteilnehmer: Prof. Dr. Walter Hödl, Dr. Norbert Sauberer, Dr. Erhard Kraus, Martin Knecht, Charlotte Damberger, Claudia Mayer, Erich Deutsch, Anna Leitner, Manfred Leitner, Norbert Ramsauer, Renate Zander, Prof. Dr. C. Dieter Zander, Dr. Johann Berger, Gerald Blaich, Karl Grübler, Dr. Robert Hofrichter. Die Reise war eine Kooperationsveranstaltung von fnz, RSEC und tauchen & meer. 2007 wird es 2 Donaudelta-Reisen geben, eine im Frühjahr, eine im Herbst (Start 28. April und 28. September)! Anmeldungen ab sofort unter mittelmeer@aon.at.
* Plaurs sind die schwimmenden Schilfinseln des Donaudeltas.
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Reise mit Nele zu den Perlen im indischen Ozean, den Seychellen - Ein Erlebnisbericht von Renate v. Soosten
Die Seychellen - ein Paradies
Für Reiserverwöhnte, die schon viele wunderbare Ecken dieser Erde erleben durften, ist es manchmal (leider) nicht (mehr) so leicht nachempfindbar, welch starken Eindruck exotische Lebensräume, die Wunder des Tropenmeeres und der Natur allgemein auf Menschen haben können, die derartiges zum ersten Mal erleben.
2005 wollte unsere Freundin Nele (Cornelia v. Soosten) ihre Mutter Renate auf eine ganz besondere Reise mitnehmen. Eine Möglichkeit dazu bot im Oktober 2005 die RSEC-Reise Auf der Spur der Walhaie – und diese Chance ließen sich Nele und Renate (auf Initiative der Tochter) nicht entgehen.
Renate war mit 67 unser ältester Reiseteilnehmer. Ihr Bericht, den sie mir einige Wochen nach der Reise schickte, hat mich (Robert Hofrichter) als Reiseleiter und Seychellenkenner tief berührt. Es ist schön, wenn jemand das Fenster zu seinen Emotionen so weit öffnet, um auch andere an ihnen teilhaben zu lassen. Mich hat der Bericht inspiriert und zum nachdenken angeregt, nichts auf dieser Welt als selbstverständlich anzusehen... Renate, danke für diesen schönen Bericht!
Reise mit Nele zu den Perlen im indischen Ozean, den Seychellen
Ein Erlebnisbericht von Renate v. Soosten (Anm. des Webmasters: Nele ist die Tochter von Renate, die ihre Mutter zu dieser Reise überredete)
Oktober 2005
Waren wir wirklich da? In diesen letzten Paradiesen unserer Erde? An den weißen Stränden mit der starken Brandung, dem tiefgrünen klaren Wasser, das ins lila-dunkelblau überging, den wunderbaren Palmen und den fremd anmutenden Kasuarinabäumen? Und kein Tourismus! Außer uns spielten oft nur dunkelhäutige Kinder im Wasser. Ja, wir waren da. Es scheint schon unwirklich. Obwohl wir (Nele geht es genau so) auch noch nicht richtig wieder „hier“ sind. Es kommt uns so vor, als wären wir mindestens 4-5 Wochen weg gewesen. Durch unsere nächtlichen Träume geistern die Bilder der schwierigen Pfade, auf denen wir unterwegs waren, den Wäldern, die noch ursprünglich sind, wenn auch nicht so majestätisch wie in Costa Rica.
Es war aufregend und schwierig. Die Erlebnisse hart erstanden. Der Mut hätte mich verlassen, wenn ich alles vorher gewusst hätte, was auf uns zukam. Über das Programm, das ich sehr spät erhielt, erschrak ich und sah es mir gar nicht erst in den Einzelheiten an.
Expedition stand in dem Programm und ich hielt es für einen Druckfehler. Aber diese von einem begeisterten Biologen gestaltete Reise wollte uns mit der ganzen Einmaligkeit dieser unterschiedlichen Inseln bekannt machen und so wurde mehr an Flexibilität, Anstrengung und ... ja, auch Mut gefordert als sonst bei solchen Reisen üblich. Nun, ich muss dazu sagen, dass die anderen Teilnehmer sportlicher waren als ich. Aber ich glaube, Nele ist doch ein bisschen stolz, dass ich alles schaffte. Sie hatte des Öfteren Sorge. Sie war sehr liebevoll und nahm mir soviel wie möglich ab. Ich danke ihr; und besonders dafür, dass sie mich überhaupt auf diese Reise mitnahm. Ich bin unendlich „erweitert“ wiedergekommen. Ich bekam auch eine Ahnung von einer ganz anderen Welt – der Unterwasserwelt, der Welt der Meere. Das war auch Neles Anliegen.
Ich nahm meinen Mut zusammen und „schwamm mit den Fischen“. Nun, es war nur ein „Schnorcheln“, wie es viele tun. Aber für mich war es etwas besondere, etwas Wunderbares: vom Boot aus ging es in ganz klares Wasser und trotz der Tiefe von ca. 16 Metern konnte man bis auf den Grund sehen. Die wunderbaren Farben der Fische, z. B. Schwärme kleiner Fische und Doktorfische, leuchteten. Die Sonne ließ Licht und Schatten auf ihnen spielen. Große Fische kamen näher. Ich schwamm mit ihnen als ein Lebewesen, als ein Gast in ihrem Element und sie ließen mich und hatten keine Angst und flüchteten nicht. Wen es mir allerdings zu Bewusstsein kam, wo ich mich befand, nämlich weit weg vom Boot und ziemlich tiefes Wasser unter mir, dann vergaß ich die Technik des Schnorchelns und verschluckte mich, und Nele musste mich retten...
Das Erlebnis dem Walhai zu begegnen ist eigentlich unbeschreiblich. Die großen Lebewesen der Meere zu sehen in ihrem angestammten Reich, berührt zutiefst und lässt uns demütig werden. Ähnlich wie die Begegnung mit den alten Bäumen in den Regenwäldern… Wir hatten dieses seltene Erlebnis. Und Nele wird vielleicht von ihrem Eindruck schreiben, der ja noch viel intensiver war, denn sie ist mit ihm geschwommen.
Es war schön, „unser“ Walhaibaby, mit gleichmäßigen weißen Flecken auf dem dunklen, geschmeidigen Körper. Wir konnten seinen Standort immer ausmachen an der dreieckigen Flosse, die aus dem Wasser ragte. Ich sah ihn in seiner ganzen Länge, als er ganz dicht längsseits des Bootes kam.
Um Nele hatte ich einige Momente Sorge: Alles vergessend zog sie ihre Flossen an und war als eine der ersten im Wasser. Wo war ihre sonstige „Schissigkeit“? Sie hielt sich abseits von den anderen Schnorchlern. Und als der Walhai sich anschickte stetig davonzuziehen, schwamm sie hinterher…
Von den Anstrengungen der Unternehmungen erholten wir uns an den Buchten und Stränden, von denen eine schöner als die andere war. Nie wurden wir müde die wunderbaren Formen zu bestaunen, die das Meer aus den Granitfelsen gewaschen hatte. Sie sahen aus wie aus Sahne gespritzt…
Natürlich war es der Ehrgeiz von unserem Reiseleiter Robert uns so viele der Seltenheiten dort wie möglich zu zeigen. Wir kriegten steife Hälse von lauter In-die-Luft-Schauen, um den Paradiesfliegenschnäpper, den schwarzen Papagei und andere Vögel zu entdecken. Auffällig wenig scheu waren sie alle. Wir krochen auf der Erde herum, um den kleinsten Frosch der Welt zu suchen und … fanden ihn! Das Froschbaby ist so groß wie ein Reiskorn. Nele fand drei Stück!... Das Wühlen nach Blindwühlen blieb ohne Erfolg und Robert meinte: „wie gut, dass die Reise nicht unter dem Motto steht: „Auf den Spuren der Blindwühlen“…
Selbst beim Abendessen wurde gefachsimpelt, welcher Fisch das wohl sei, den wir da aßen. Die schönsten Vögel waren nicht die seltensten. Wunderschön zeichneten sich die weißen „Tropics“ mit den langen Schwänzen am blauen Himmel ab. Doch die zarten Feenseeschwalben mit durchscheinendem weißen Gefieder waren meine Lieblingsvögel. Ein verwirrendes Erlebnis hatte ich, als ich auf der einen Bootsfahrt plötzlich am Himmel leuchtend grüne Vögel entdeckte. Ich wollte gerade den „Vogelrobert“ (Dr. Robert Lindner, Anm. des Webmasters) darauf aufmerksam machen, als der Vogel herumschwenkte und ich ihn als Feenseeschwalbe identifizierte. Das grüne Meerwasser hatte sich in seinem Gefieder wiedergespiegelt…
Das Wissen, dass wir uns auf uraltem Gestein der Erde befanden, nämlich dem „Gondwanaland“ aus der Zeit, als die (südlichen) Kontinente noch zusammenhingen, bestärkte unser Bewusstsein dafür, wie unendlicher die Zeit ist…
Abends und am Strand lasen Nele und ich abwechselnd in dem Sachbuch: „Der Gesang des Dodo“. Es behandelt die Geschichte der Evolution und trug so auch dazu bei, dass das Erleben dieser Inseln mit ihren endemischen Arten und auch sehr alten Arten intensiviert wurde, ja, fast fühlten wir uns in vergangene Zeiträume versetzt.
Aber jetzt sind wir wieder zu Hause. Ich hatte mich an die Wärme gewöhnt und auch an die diversen anderen Unbilden wie Gruppe, Hygiene, Aufregung usw. Das alles hatte dieses Mal länger gedauert. Zu Hause empfing uns zuerst feuchte Kühle und ich fror schrecklich bis es wieder wär |