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Festmahl für Korallen: Planktische Flügelschnecken
Text & Fotos: Dipl.-Biologe Christian Alter
                    Red Sea Environmental Centre, Dahab

Wer hat als Taucher schon mal eine (Stein)Koralle beobachtet, wenn sie im „Jagdfieber“ ist? Die Rolle der Korallen als „Räuber im Riff ist zumeist wenig bekannt und der Beuteerwerb bleibt dem Taucher bzw. dem bloßen menschlichen Auge auch in der Regel verborgen. Bekannt ist vor allem die Symbiose mit einzelligen Algen (Zooxanthellen), die im Innern der Korallenpolypen vorkommen, denen sie auch ihre Färbung geben und von deren Produkten sich die Korallen überwiegend ernähren. Deshalb verharren die meisten Korallen tagsüber relativ inaktiv, das heißt mit eingezogenen Polypen und nur die partnerschaftlichen Algen für sich arbeiten lassend.

Dies ist auch das Bild, welches den meisten Tauchern vertraut ist. Nur besonders aufmerksame Taucher haben sich vielleicht schon einmal bewusst Korallen bei Nacht, während ihrer aktiven „Jagd-Phase“ angeschaut: Ein sich mit dem Wasser bewegender Rasen aus Polypen mit ihren nesselzellenbesetzten Fangarmen (Tentakeln). In diesem Zustand hat die Koralle wenig gemein mit ihrem Erscheinungsbild während der inaktiven Tagphase und stellt eine drohende Gefahr für  die meisten der im Plankton lebende Organismen dar, wie z.B. Larven verschiedener Krebse, Muscheln oder Schnecken. Diese laufen nämlich Gefahr bei Berührung mit den feindlichen Tentakeln von unzähligen Nesselfäden durchstoßen und betäubt oder angeleimt zu werden. Die so erbeuteten Nahrungsobjekte befördert der Polyp sogleich in den Magenraum, wo sie bis auf die unverdaulichen Teile (Skelett, Schale) zersetzt, verdaut und von der Magenwand des Korallenpolypen aufgenommen werden. Die unverdaulichen Reste befördert der Polyp, nach der Mahlzeit durch den Mund wieder nach außen. So werden von dem Heer an Korallen Nacht für Nacht unzählige Tierchen aus dem Plankton gefischt, ohne dass wir etwas davon  ahnen. Am folgenden Tag ist meist nichts mehr von dem nächtlichen Schmaus zu sehen.

Im Fall der Flügelschnecken gestaltete sich das jedoch anders: Im Frühjahr dieses Jahres kam es nämlich einmal zu einem besonderen nächtlichen Festmahl der Korallengemeinschaft, dessen Spuren auch noch am nächsten Tag für alle sichtbar waren. Auslöser war ein Massenvorkommen beschalter Flügelschnecken aus dem Plankton, so genannter Pteropoden, kleine, im freien Wasser lebende Schnecken mit einem zu Flügeln umgestalten Fuß. So war eine Vielzahl an Korallenkolonien zu sehen, die mit vielen „Nadeln“ gespickt zu sein schienen. Die Kolonien erinnerten so an Nadelkissen die noch damit beschäftigt schienen, die unverdaulichen, teilweise über 1 cm langen Schalen vom nächtlichen Beutefang loszuwerden. Die Schalen steckten noch mit ihrem dickeren Ende in den Mundöffnungen der Polypen. Bei den beobachteten (Stein)Korallen handelte es sich fast ausschließlich um Vertreter der Waben- und Hirnkorallen (Familie Faviidae), Arten mit etwas größeren Polypen beziehungsweise Mundöffnungen.

Wer mehr hierzu erfahren möchte oder ähnliche Beobachtungen gemacht hat und dazu Fotos vorweisen kann, ist in unserem Forum herzlich willkommen. Und wenn jemand bei seinem nächsten Nachtauchgang eine Koralle sieht, die stark an einen Igel erinnert, weiß der Betreffende, was es damit wahrscheinlich auf sich hat…

Fotolegenden:
1, Hirnkoralle (Platygyra lamellina) gespickt mit  Flügelschnecken-Schalen
2, Flügelschnecken -Schalen in den Mundöffnungen einer Hirnkoralle (Platygyra daedalea)
3, Wabenkoralle (Echinopora gemmacea) mit „Nadeln“

 

koralle

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Unbekannte Seezunge im Fischernetz gefunden

Am 2. August 2006 wurden vom RSEC-Team zwei Fischernetze am Napoleonriff geborgen. In einem der verlassenen Netze hatte sich eine interessante Fischart verfangen. Der verendete Fisch konnte schnell der Familie der Seezungen (Soleidae) zugeordnet werden. Charakteristische Merkmale dieser Familie sind der kompresse Körper mit beiden Augen auf der rechten Körperseite, während die linke Körperseite dem Untergrund zugewandt ist. Noch vor Ort auffallend war jedoch die ungewöhnliche Grösse der Seezunge. Nachdem der Fisch an die Oberfläche gebracht worden war, konnte eine Totallänge von 44 cm bei einer Breite von 15 cm vermessen werden. Ein weiteres auffälliges Merkmal waren die mit der Schwanzflosse verschmolzenen Rücken-und Analflossen. Nachdem der Verwesungsprozess leider schon fortgeschritten war und keine weiteren Merkmale mehr bestimmt werden konnten, wurde die Seezunge zurück ins Meer gebracht. Aufgrund der beschriebenen Merkmale vermuten wir, dass es sich um einen Vertreter der Gattung Synaptura handelt. Leser, welche die betreffende Seezunge im Roten Meer gesichtet haben oder mit Sicherheit wissen, um welche Art es sich hierbei handelt können sich unter der e-mail alexander.keck@redsea-ec.org bei uns melden.

 

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Schildkröte im Fischernetz: Aktion zum Riffschutz am Red Sea Environmental Centre
Volontärinnen an der Feldstation des RSEC berichten

Am 2. August 2006 entdeckte die RSEC-Volontärin Stefanie Batke beim Schnorcheln am südlichen Ende des Napoleonriffs 2 verlassene Fischernetze, welche sich in den Korallen verfangen hatten. In einem davon hatte sich eine Karettschildkröte verfangen und war verendet. Bereits am nächsten Tag, dem 3. August um 17 Uhr, stellte Dr. Ehab Tomoum von der SSDM (South Sinai Association for Diving and Marine Activities) freundlicherweise sowohl das Boot als auch Pressluftflaschen seiner Tauchbasis South Dive Center dem RSEC zur Verfügung. Das Tauchteam des RSEC bestand aus Dr. Alexander Keck, Dipl.Biologe Christian Alter sowie den Volontärinnen Kathrin Bacher, Stefanie Pontasch und Astrid Konz. Ebenfalls an Bord befand sich ein Offizier der Wasserschutzpolizei (Marine Police Dahab).

Um 17:47 Uhr tauchte das Team ab und teilte sich in 2 Gruppen auf: Kathrin Bacher und Stefanie Pontasch kümmerten sich darum das erste Netz zu entfernen und halfen später beim zweiten Netz mit, während Alexander Keck, Christian Alter und Astrid Konz das zweite Netz in Angriff nahmen. Beide Netze befanden sich auf ca. 5 bis 6 Meter Tiefe in etwa 30 Meter Entfernung voneinander und waren jeweils etwa 15 Meter lang und 2-3 Meter hoch.
In das erste Netz waren keine Fische geraten und es ging relativ leicht das Netz von den wenigen Korallen zu lösen. Im zweiten Netz hatten sich ein Himmelsgucker (Uranoscopus sp. ), eine Seezunge (nicht näher bestimmt) sowie eine Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) verfangen und waren verendet. Das Netz hatte sich stark um die Korallen gewickelt. Auf einem Korallenblock lag eine Spanische Tänzerin (Hexabranchus sanguineus), welche sich durch die rege Aktivität der Taucher erhob, das Netz nach oben hin entlang schwamm und sich auf der anderen Seite wieder auf den Boden hinabliess.

Das zweite Netz, die Echte Karettschildkröte sowie die Seezunge wurden aufs Boot gehievt. Der Tauchgang, bei dem beide Netze erfolgreich entfernt worden waren, hatte fast 70 Minuten gedauert. Mit dieser Aktion hatte das RSEC einen weiteren erfolgreichen Beitrag zum Schutz der Korallenriffe in Dahab geleistet.

volontaere

 

schildkroete im netz

schildkroete im netz

koralle im netz


Einsatz von Volontären am RSEC:
Dahab Reef Monitoring 2006 an der Feldstation des RSEC


Neben dem jährlichen Reef Check in Dahab wurde dieses Jahr vom 12. - 21. August zum ersten Mal ein erweitertes Reef Monitoring unter der Leitung des Red Sea Environmental Centre in Dahab durchgeführt. Ziel dieses Projektes ist es, den Zustand der Korallenriffe detaillierter darzustellen und auf die potentiellen Bedrohungen der Riffe und Riffgemeinschaften im Golf von Aqaba einzugehen.
Es wurden 4 Datentypen von der allgemeinen Reef Check-Methodik übernommen und erweitert: Standortbeschreibung, Fische, Wirbellose (Invertebraten) und Substrat. Weiter wurde Coral Damage als eigene Untersuchung hinzugefügt. Vor dem Monitoring wurden 6 Trainingstauchgänge absolviert, damit gelernt werden konnte, die Indikatorarten, Korallengattungen und Substratkategorien exakt zu identifizieren. Die Daten wurden von Staff und VolontärInnen des RSEC während zweier Tauchgänge pro Tag in verschiedenen, vorher festgelegten Tiefen aufgenommen. Weiter waren die VolontärInnen bei allen Vorbereitungen, der Durchführung, der Dateneingabe und Nachbesprechung des Monitorings involviert. Die Arbeit unter Wasser war für die Biologie-Studierenden eine lehrreiche und positive Erfahrung, welche viel Spass bereitet hat. Die Daten werden in den kommenden Wochen von den Mitarbeitern des RSEC analysiert. Für die Zukunft sind am RSEC in Dahab jährlich zwei der erweiterten Reef Monitoring-Einsätze geplant, zusätzlich zum Angebot des Standard Sommer Reef Check, das von einer der örtlichen Tauchbasen koordiniert wird.

BILDUNTERSCHRIFTEN:

1-Volontäre bei der Substrat-Datenaufnahme
2-Hinweisschilder für andere Taucher
3-Monitoring-Abschnitt mit Korallenschäden
4-RSEC Reef Monitoring Team (August 2006)

team
 

Volontaere-bei-Substrat

Hinweisschilder

reef check


Coral Reef Sustainability Program

Im Rahmen des RSEC Projektes "Coral Reef Sustainability Program" findet in Kooperation mit Reef Check vom 4.-18. August die erste umfassende Bestandsaufnahme des Zustandes der Korallenriffe in Dahab statt. Schwerpunkt der Untersuchung wird der direkte menschliche Einfluss (Schnorchler, Schwimmer, Taucher, Fischer) durch "Reef Trampling" (s. Foto rechts), also unkontrolliertes Laufen im Riff, sein. Hierfür werden dringend noch weitere Volontäre und Unterstützer gesucht. Info bei Christian unter christian.alter@redsea-ec.org

 

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Gorgonie wieder wohl auf

Ende März entdeckten Taucher die am Boden liegende Gorgonie bzw. Fächerkoralle (s. Foto rechts) am Lighthouse in Dahab. Dieses, mit einem Durchmesser von über 2,50 Meter, prachtvolle Exemplar der Art Annella mollis, Riesen-Seefächer, zu verlieren wäre ein herber Verlust für Dahab und seine Taucher gewesen. Durch die gute Zusammenarbeit verschiedener ambitionierter Leute in Dahab gab es starkes Bestreben, die Gorgonie wieder aufzurichten und zu fixieren. Das RSEC unterstütze dieses, besonders von M.A.T.E. ausgehende Bestreben in Form mehrer Inspektionen des Riesen-Seefächers und seiner Umgebung und bei der Erstellung eines Rettungsplans. Hierbei stellten wir fest, dass einmal der Sturz sehr wahrscheinlich natürlich zustande kam, da die Basis des Seefächers immer noch an einem Block fest ist, nur dieser von einem Größeren abbrach und diese Bruchstelle sehr klein war und zum anderen, und dass sie dank eines relativ glücklichen Sturzes noch in einer verhältnismäßig guten Zustandes war.  An dem Seefächer waren im liegenden Zustand die Polypen ständig zurückgezogen und schon die ersten Zersetzungserscheinungen (Schleimüberzug, s. Foto rechts) zu erkennen.  Letztendlich schaffte man es den Seefächer mit Hebesäcken etwas anzuheben und an eine geeignete Stelle zu bringen, bei der er erstmal provisorisch mit
Schnüren in aufrechter Position fixiert wurde. Schon nach wenigen Tagen erholte sich der Seefächer zusehends und die Taucher Dahabs können ihn nun wieder in voller Pracht mit aktiven Polypen bewundern (s. Foto rechts).

Links:

Das RSEC unterstütz das Projekt Future Project Diving von Klaus Altersberger. Die Vision des Projektes ist es der ägyptischen Jugend die Möglichkeit zu geben, eine erschwingliche, umfassende und hoch qualifizierte Ausbildung als Tauchguide und somit einen einfachen Einstieg in die Tauchbranche zu bieten, frei nach dem Motto „create your own future“. Mit einer professionellen Ausbildung könnte die Jugend mehr Verantwortung für die Zukunft des Tauchens und der Umwelt im eigenen Land übernehmen bzw. diese mehr mitbestimmen. Zu der Ausbildung gehören neben der Tauchausbildung noch Training in Yoga, Apnoe und Management. Des Weiteren gehört selbstverständlich noch eine Grundausbildung in Meeresbiologie bzw. Korallenriffökologie dazu. Diese wird von dem RSEC durchgeführt.

www.sinai-adventures.com
http://www.guruk.com/futureprojectdiving/main.htm

 

 

gorgonie

gorgonie

gorgonie

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Reef Check


Unser Mitarbeiter Christian Alter unterstützt seit ca. 1 Jahr Reef Check durch seine aktive Mitarbeit. Bei der von Reef Check im Auftrag von SUBEX erstellten Studie über den Zustand der Riffe der El Quadim Bucht in El-Quseir (jetzt im Internet zum Download verfügbar unter ( www.subex.org/de/ueber_uns/umweltschutz/elqbucht.htm) war er im wissenschaftlichen Team und für die Aufnahme der Korallendiversität verantwortlich. Im Mai 2006 leitete er als Reef Check Scientist die Reef Check Safari auf der Ghazala I im nördlichen Roten Meer.

Über Reef Check:
Reef Check ist das größte internationale Programm, das Sporttaucher und Meereswissenschaftler involviert. Die wichtigsten Ziele von Reef Check sind zum einen ein öffentliches Bewusstsein über den Wert von Korallenriffen zu schaffen, über die Bedrohungen ihrer Gesundheit zu und mögliche Lösungen dieser Probleme. Zum anderen einen wissenschaftlich belegten Überblick über den Grad des menschlichen Einflusses auf die Riffe weltweit zu erhalten.

Reef Check Deutschland: www.reefcheck.de
Reef Check International: www.reefcheck.org

Coral Reef Pearls
Fotographische Impressionen aus der Korallenwelt des Roten Meeres
Von UW-Fotograph & Meeresbiologe Christian Alter

www.coralreefpearls.de

 

reef check


Kooperationsprojekt RSEC, HerpAG & fnz, Herpetologische Erhebungen am Sinai, Herpetologen, Dissertationen und Diplomarbeiten gesucht.

Vor drei Jahren hat der befreundete tschechische Herpetologe, Dr. Roman Rozínek angefangen für das RSEC in Dahab den Sinai herpetologisch zu kartieren und eine entsprechende Artenliste anzulegen. Wegen anderer Prioritäten und mangelnder Nachwuchsherpetologen (Diplomanden) in diesem Fachbereich ­(die Mehrheit der Studierenden kommt wegen marinbiologischer Themen ans RSEC) ­ stagniert jedoch leider seit einiger Zeit die herpetologische Forschung. Das RSEC strebt nun aber aktiv eine Wiederaufnahme der herpetologischen Studien und die Vergabe von Diplomarbeiten an.

Einen positiven Impuls könnte die bevorstehende Exkursion des RSEC "The Best of Sinai" in der zweiten Februarhälfte 2006 bieten (Infos hier). Wilfried Rieder, ein Mitglied der Herpetologischen Arbeitsgemeinschaft am Haus der Natur in Salzburg (HerpAG) und zugleich Vorstandsmitglied des forum natur & zukunft (fnz), wie auch Mag. Matthias Florian, ebenfalls Vorstandsmitglied des fnz, begleiten Dr. Robert Hofrichter bei dieser Reise. Da auch viele Wüstenausflüge auf dem Programm stehen, sind genauere herpetologische Erhebungen geplant. Unser Ziel ist es dabei, die bestehende Artenliste zu vervollständigen, zu korrigieren, zu präzisieren und durch eigene Beobachtungen zu ergänzen. Wie bereits vor zwei Jahren bei der äußerst spannenden Exkursion ins Donaudelta, möchten wir die erfolgreiche Kooperation der HerpAG mit dem fnz fortsetzen und gemeinsam ein repräsentatives herpetologisches Skriptum erarbeiten.

Wir wären sehr an Kontakten mit anderen Herpetologen interessiert, die sich mit dem Sinai bereits intensiver beschäftigt haben, oder solchen, die Dilomarbeiten, Dissertationen oder andere Studien am Sinai planen. Wir bitten die Kollegen um eine Rückmeldung unter <wilfried.rieder@sbg.at> oder an Dr. Robert Hofrichter <mittelmeer@aon.at>.