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Dahab - eine Woche danach.

Montagabend - genau eine Woche nach dem verhängnisvollen Terroranschlag der den kleinen Touristenort Dahab heimgesucht hatte: Die anfangs spürbare Lähmung, Betroffenheit, auch Trauer unter den Bewohnern scheint bereits wieder der wohlvertrauten geschäftlichen Betriebsamkeit Platz gemacht zu haben. Als Gegenstück dazu findet man tagsüber, in der zuweilen schläfrigen Mittagssonne, die ebenfalls für Dahab so bekannte, entspannte Gelassenheit und Beschaulichkeit im Bereich der Strandcafés und der sanften Brise vom Aqaba-Golf, einhergehend mit den an der Riffkante sich brechenden Wellen. Viele der Besucher sind inzwischen zwar wieder abgereist - die ägyptischen Feiertage waren ohnehin jäh beendet worden - aber nun ist auch ungeachtet des blutigen Terrorschlags die Nebensaison wieder eingekehrt.

Mancher Restaurant- oder Hotelbesitzer mag erleichtert gewesen sein nach den ersten Tagen einer verzweifelten Sorge oder bedrückenden Ungewissheit über die erwarteten Reaktionen unter den Gästen, da doch manch einer zum Trotz nicht abgereist, wohl einerseits aus Solidarität, andererseits aus einem sicheren Gespür heraus für das doch geringe Risiko also geblieben war. Sogar Neuankömmlinge, die sich nicht von ihren Reiseplänen hatten abbringen lassen, durften hier und da wieder begrüßt werden. Allein an der Feldstation des 'Red Sea Environmental Centre' hatten wir zahlreiche ermutigende Mitteilungen, auch Telefonate, erhalten, häufig sogar mit der Zusicherung des fest eingeplanten Besuchs noch diesen Sommer, Spätsommer oder Herbst.

Den Medienberichten zufolge hatte es inzwischen neue Anschläge im Sinai gegeben, und die meisten Menschen hier in Dahab verfolgten die neuen Nachrichten in dem inneren Bedürfnis nach Orientierung angesichts der bestehenden Ungewißheit einer möglichen Fortsetzung des Terrors. Erste Erfolge in der Bekämpfung des letzteren scheinen sich nun zu zeigen, jedoch hat zum einen das ägyptische Parlament samt Präsident bereits die Fortsetzung des Ausnahmezustandes beschlossen, der seit dem Attentat auf Präsident Sadat 1981 bestanden hatte, zum anderen weiß der gewöhnliche Einwohner von Dahab auch ohnedies, daß eine Garantie für Ruhe und Frieden in dieser Region vorerst noch eine Illusion bleiben wird - wenn auch das friedfertige und provinziell-beduinisch geprägte Dahab nach wie vor als Terrorziel niemandem wirklich glaubhaft erscheint.

Gespräche mit den Einheimischen lassen erkennen, daß über die Neuigkeiten aus Tageszeitungen oder Fernsehsendungen hinaus wenig Sicheres gesagt werden kann. Politisches Engagement existiert hier so gut wie gar nicht, man nimmt ungern eine klare Stellung zur Sache ein und vermeidet zudem jegliche Beschwörung der schrecklichen Bilder und Szenen jener Nacht, die diese Oase der Friedfertigkeit und die streßfreie Idylle des ursprünglichen Beduinenfischerdorfes zugleich unerwartet wie unverdient getroffen hatten.

Zahlreiche Friedens- und Mahnbotschaften in Form von handbemalten und -beschriebenen Plakaten, Transparenten, Fassaden und Flugblättern, ebenso von Blumenbouquets, Topfpflanzen und mehrsprachigen Gedenktafeln sind in den vergangenen Tagen vermittelt und sichtbar gemacht worden - an der Strandpromenade von Masbat ebenso wie in der Geschäftsstraße von Mashraba. Gewalt, Terrorismus und Blutvergießen werden hier sowohl in Arabisch wie Englisch entschiedene Absagen erteilt, Trauer und Gedenken an die unschuldigen Opfer in bewegenden Worten und zugleich fünf Sprachen auf Marmor zum Ausdruck gebracht, und eine Briefbotschaft des Friedens (El-Salam) und der Liebe (El-Hubb) als dringlicher Appell an die arabische Bevölkerung gerichtet. Es hat in der vergangenen Woche mehrere Friedenskundgebungen gegeben, einige der materiellen Schäden an Läden, Restaurants und der Brücke an der Wadimündung sind bereits behoben, und immerhin wurde auch schon ein 24-Stunden-Angebot für psychologische und seelsorgerische Betreuung (Telefon-Hotline) an viele Vorbeipassierende verteilt.

Dahab ist das arabische Wort für Gold. In den meisten Reiseführern wird als Deutung des Ortsnamens auf die vermeintlich goldfarbenen Strände hingewiesen. Die wahre Herkunft des Namens dürfte jedoch fast vergessen sein und liegt in einer ferneren Vergangenheit - wenn auch wahrscheinlich nicht unter Hinweis auf den einstigen Handelshafen der Nabatäer am Ausgang des Wadi Dahab, so doch wenigstens auf einen vergangenen Reichtum, über den einige Alte unter den ansässigen Beduinen vom Stamm der Muzeina noch Kenntnisse besitzen mögen. Der eigentliche Reichtum von Dahab, wie mir neulich der Ägypter Mustafa vom El-Salam Camp veranschaulichte, liegt auch heute noch weniger in den materiellen Gütern und dem Profit die das heutige Touristenparadies für einige Geschäftsleute bereithalten mag, als vielmehr in seinen Naturressourcen und einigen ideellen Werten die durch den Lebensstil hier wiedergespiegelt werden und die sich nicht mit wirklichem Gold aufwiegen lassen - vielleicht ist es gerade das, was Dahab so anziehend und liebenswert macht für alle diejenigen die sich die Zeit nehmen es näher kennenzulernen.

3. Mai 2006 Alexander Keck


 

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Ein anderes Dahab nach dem 24. April, 19.15 Uhr...?

An der Feldstation des RSEC in Dahab arbeiten wir derzeit zu dritt - zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, Christian Alter und Alexander Keck, sowie eine Diplomandin der Universität Giessen, Svenja Hahn. Svenja war an diesem Abend bereits nach Hause gegangen, als etwa eine halbe Stunde später Christian und ich drei kräftige, dicht aufeinanderfolgende Detonationen aus nördlicher Richtung (Dahab Village) vernahmen. Zunächst wurde - auch mit Gästen an der Tauchbasis - über die Ursache gerätselt, ein halbe Stunde später ertönte Sirenengeheul und einige Ägypter an der Hotelanlage des Lagona Village berichteten uns schließlich in ihrem gebrochenem Englisch von den Explosionen und wo sich diese zugetragen haben sollten (Masbat Bay im Norden, im touristischen Zentrum von Dahab). Eine kurze Abfrage über Internet (News-Redaktionen von CNN, N-TV etc) bestätigte uns in Text und Bild den Terroranschlag an unserem eigenen Ort, so unwirklich es auch scheinen mochte...

Wir sind natürlich froh, dass niemand von uns an der Feldstation oder auch an der Tauchbasis Barakuda zu den (physischen) Opfern zählen musste. Erste Gespräche mit der lokalen Bevölkerung (befreundete Ägypter und Beduinen) sowie mit europäischen Freunden und Bekannten haben jedoch ergeben, dass uns einige unter den Opfern leider bekannt sind. Die Situation erscheint uns nach wie vor unwirklich. Der betroffene und traurige Ausdruck auf den Gesichtern unserer ägyptischen Freunde, egal ob Basarverkäufer oder Restaurantkellner, sowie die Bilder der Zerstörung uns gut bekannter Läden und Cafés in El-Masbat und die geronnenen Blutlachen auf der Strandpromenade erinnern uns jedoch sofort daran, dass tatsächlich das passiert ist, was viele von uns eher für unwahrscheinlich gehalten hatten.

Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Attentats war nach den Anschlägen in Taba (Okt. 2004) und Sharm el-Sheikh (Juli 2005) zwar prinzipiell denkbar, aber welchen Nutzen oder welchen Gewinn sollte wohl ein Terrorakt in einem kleinen, nicht gerade überlaufenen Ferienort bringen, zumal dort gegenwärtig vor allem ägyptische Touristen (koptische Osterfeier und ägyptisches Frühjahrsfest!) und demgegenüber - lokalen Ägyptern zufolge - nur wenige israelische Urlauber ihre Ferien verbrachten? Die Informationen in den Nachrichtenmedien zeigen - ähnlich wie nach dem Anschlag in Sharm el-Sheikh - dass die Ägypter selbst wieder einmal die Hauptleidtragenden sind. Die Sinnlosigkeit solcher Terrorakte kommt auch in den Nachrichtenmedien verschiedentlich sehr deutlich zum Ausdruck.

Seit dem Ereignis ist es ruhiger geworden in den Straßen von Dahab, besonders am Abend danach ist es zu spüren. Das fröhliche Autogehupe ist weitgehend verstummt, dennoch versucht hier jeder seiner gewohnten Arbeit nachzugehen. Viele der Ägypter die wir gesprochen haben, waren zunächst sehr entmutigt; manche fragen sich, ob das uns allen bekannte und für sein entspanntes Flair geschätzte Dahab nun ein anderes werden wird, nach diesem schicksalhaften Montagabend? Natürlich weiß keiner von uns, wie das Leben in den kommenden Tagen und Wochen weitergehen wird, doch dass es in positivem Sinn weitergehen wird, darüber bestehen bei uns keinerlei Zweifel.

Schon wenige Stunden nach dem Anschlag wurde klar, dass viele der ausländischen Gäste keineswegs bereit sind ihre Koffer zu packen, und für die meisten der fest Ansässigen kommt dies ohnehin nicht in Frage. Viele Menschen in Dahab - gerade auch unter den zugewanderten Europäern - verbreiten viel Mut in diesen Stunden. Keine 24 Stunden nach dem Geschehnis ist man bereits wieder dabei, die Spuren des Unheils zu beseitigen und die Schäden zu reparieren, wenn auch das zugefügte menschliche und seelische Leid bei weitem nicht so schnell vergessen werden kann. Etliche von uns haben am Morgen nach dem Anschlag Interviews für die internationalen Nachrichtenmedien gegeben und dabei auch vom Zusammenhalt und Miteinander einer Gemeinschaft berichtet, die ihren friedlichen Weg in die Zukunft fortsetzen wird - ohne Hass- und Vergeltungsparolen, vielmehr mit solidarischer Bejahung des zukünftigen Lebens und Zusammenlebens in dieser kleinen Stadt an den Ausläufern des Südsinai-Gebirges. Das ursprüngliche Beduinendorf Dahab wird sich selbst treu bleiben.

Dahab, 26. April 2006
Alexander Keck


 

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Stellungnahme zum Bombenanschlag von Christian Alter, RSEC

Die unfassbare Realität, die uns an diesem späten Montagabend eingeholte, fing mit drei lauten Detonationen, die über ganz Dahab hallten, an. Ist es jetzt wirklich passiert? Nein, doch nicht in Dahab. Natürlich hatte ein jeder hier sich schon einmal mehr oder weniger mit dem Thema beschäftigt. Gerade da Dahab die einzige Touristenstadt auf dem Sinai war, die bisher von einem Terroranschlag verschont geblieben war. Aber natürlich verdrängt man ein so heikles Thema als Mensch doch sehr gerne. Dann trifft man draußen andere Leute, die die Detonationen auch gehört hatten. Langsam schleicht sich die Gewissheit ein, dass wirklich was passiert sein muss. Die Distanz die zwischen der Anschlagsstelle und dem Hotel liegt, lässt uns nur vermuten. Und dann kommt die Gewissheit. Ein Hotelgast kommt aus dem Stadtzentrum zurück und berichtet von seinem verletzten Sohn. Ägyptische Hotelangestellte berichten von Chaos und Zerstörung. Vorstellungen von blutiger und grausamer Zerstörung der drei lauten Knalle, deren Folgen die Presse später in die Welt tragen sollte, drängen sich in unsere Köpfe. Schnell ein Lebenszeichen nach Deutschland zu den Eltern und der Freundin, bevor sie es aus den Nachrichten erfahren und sich unnötig Sorgen machen.

Weitere Berichte der Hotelangestellten: Was, die eine Bombe soll an diesem Hotel hochgegangen sein? Dass sind ja keine 250 Meter von meiner Wohnung. Unsere Diplomandin, die kurz vor 19 Uhr gegangen war, muss da vorbei. Das Mobilnetz ist überlastet "network busy" steht auf den Display. Hoffentlich ist ihr nichts passiert. Mittlerweile hört man laute Sirenen und sieht in der Ferne Polizei und Krankenwagen in Richtung Stadtzentrum rasen. Angst und Unruhe werden immer stärker. Man trifft weitere Leute. Der Schock steht allen ins Gesicht geschrieben. Man verabredet später zu telefonieren und macht sich auf den Weg. Vor meiner Haustür ist es ungewöhnlich ruhig und dunkel. Die ansonsten sehr belebte Strasse ist, bis auf vereinzelt vorbeiziehende Autos, wie ausgestorben. Mein kleiner Supermarkt, der Gemüsehändler, mein Stammrestaurant schräg gegenüber, alle geschlossen.

Die 20Uhr-Nachrichten berichten kurz von den Anschlägen in Dahab, in deiner eigenen Stadt. Ein komisches Gefühl. Du erreichst immer noch keinen. Dann kommen die ersten SMS von Freunden, die sich nach dir erkundigen. Okay, SMS funktioniert. Du gehst auf die Strasse, schaust nach Leuten die du kennst, gehst bei Freunden vorbei. Die Polizei hat alles großräumig abgesperrt. Svenja geht es gut. Gott sei Dank. Dann kommen die ersten Anrufe durch. Aus Deutschland und aus Dahab. Der Supermarkt und die Läden in der Strasse haben auch wieder auf. In den Nachrichten kommen die ersten Live-Berichte aus Dahab. Deinen Freunden ist nichts passiert. "Hamdu'lillah" wie die Ägypter sagen würden. Gott sei Dank.

Am nächsten Morgen, das Telefon steht nicht still, man trifft weitere Leute und hört weitere Berichte. Schockierende Bilder der einem doch sehr vertrauten Stellen, an denen die Anschläge passierten, im Fernsehen und von Freunden gemacht. Dann sieht man die Brücke mit dem zerfetzten Geländer und einem wird bewusst, dass man da einige Stunden zuvor drüber gefahren ist. Die Wut über diese fiesen und hinterhältigen Anschläge äußert sich in spontanen Kundgebungen und Friedensmärsche, besonders von der lokalen ägyptischen wie beduinischen Bevölkerung. "Stopp Terror", "We love Tourists" oder schlicht "Peace" steht auf selbst gebastelten Schildern und Betttüchern. Auch die in Dahab ansässigen und arbeitenden Ausländer beteiligen sich bzw. initiieren Aktionen. Insgesamt ist ein starker Zusammenhalt zu spüren in Dahab mit der klaren Aussage, dass alle weiter machen wollen und sich von dem Terror nicht einschüchtern lassen. Der Flair und das spezielle Lebensgefühl, für das Dahab steht und weswegen viele sich hier niedergelassen haben und auch viele Touristen häufig wiederkommen wird weiter bestehen.

Christian Alter, Dahab, 25.04.2006

 

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Liebe Freunde und Unterstützer des RSEC!

So schnell kann es gehen. Gestern noch habe ich eine motivierende Email an die Freunde und Unterstützer des RSEC geschickt und am selben Abend sind in Dahab, von dem wir immer angenommen haben:

... nicht in Dahab...,

drei Bomben der heimtückischen Terroristen hochgegangen. In einer Zeit, die sicherlich nicht zufällig gewählt war, viele Moslems, Juden, Christen (darunter viele Kopten aus Ägypten) spazierten durch die Einkaufstraße und an der Promenade von Dahab.

Es liegt mir sehr am Herzen, und ich spreche hier für das gesamte RSEC, zu betonen, dass wir uns dem Terror nicht beugen wollen und auch nicht werden! In Dahab und überall am Sinai leben Menschen, und sicherlich ist die überwiegende Mehrheit dieser Menschen friedfertig. Ganz normale Menschen wie Du und ich, die ganz normal leben und arbeiten wollen. In Frieden! Es sind Ägypter, Beduinen, Ausländer (in diesem Fall schlüpfen die Europäer in diese Rolle...) . Viele von ihnen sind enge Freunde, die wir schätzen und lieben. Wir haben nicht vor uns dem Diktat des Terrors zu beugen und die weitere wirtschaftliche Existenz der Menschen am Sinai zu gefährden. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass sich diese Menschen weiter entwickeln und entfalten können. Isoliert von der Welt könnten sie es nicht erreichen. Sie können nur überleben, wenn der Rest der Menschheit im Kontakt mit ihnen bleibt, wenn wir alle im Kontakt mit ihnen bleiben, wenn wir zu ihnen stehen. Das RSEC bekennt sich zu dieser Haltung, obwohl es heute freilich keine Detailaussagen zur künftigen Sicherheitslage und zu künftigen Entwicklungen abgeben kann.

Was auch immer diese Leute, die Bomben unter unschuldigen Menschen zünden, für Ziele vorfolgen und wer auch immer sie sind, es sind keine guten Menschen und ihre Ideologie kann nur als völlig abartig und krank bezeichnet werden. Anders kann man eine Ideologie nicht nennen, die Unschuldige, darunter Kinder, wahllos abschlachtet. Man kann nicht ein Unrecht durch ein anderes Unrecht aus der Welt schaffen. Viele Extremisten (nicht ausschließlich unter den Islamisten) wollen einen Kampf zwischen Orient und Okzident provozieren. Der Okzident – nicht nur weil er in der Wahrnehmung vieler orientalischer Menschen leider auch die USA mit einschließt – hat zweifellos viel Schuld auf sich geladen. Aber das deutsche Kind, das gestern starb, und ebenso all die anderen Opfer, tragen an der Misere der Geschichte keinerlei Schuld. Terrorismus löst kein einziges Problem. Er widerspiegelt eine kranke, verabscheuungswürdige Ideologie.

Den RSEC-Mitarbeitern und Freunden ist zum Glück nichts passiert; wir trauern aber mit den Opfern und ihren Angehörigen! Wir kannten einige von ihnen und waren oft Gäste in ihren Restaurants und Geschäften, Menschen wie Du und ich. Unser Mitgefühl gilt den Trauernden, die ihre Liebsten auf diese sinnlose Weise und völlig unerwartet verloren haben.

Als erste Stellungnahme direkt aus Dahab leite ich einige Zeilen von Susanne Rossbach (Barakuda, Partnertauchbasis des RSEC) weiter.

Herzliche Grüße
Robert Hofrichter

Susanne Rossbachs statement aus Dahab

Es war gegen 19:12, als ich am Computer sitzend 3 laute "Schläge" hörte, die meine Fensterscheiben erschütterten; mein Haus ist ca. 1 km vom Ort des Geschehens entfernt. Alle meine Hunde kamen sofort ins Haus und versteckten sich; ich wusste, da muss was Schlimmes passiert sein.

Gleich danach kamen Freunde und unsere Angestellten der Tauchbasis aus der Stadt zu mir und haben uns über das Horrorszenario erzählt. Kaum zu glauben, dass eine doch recht kleine Stadt wie Dahab vom Terrorismus betroffen wurde. Unsere Mitarbeiter und unsere Kunden sind alle wohlauf. Dahab ist verstärkt mit Polizeischutz abgesichert. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Von allen Hotels kamen Ärzte, europäische, ägyptische und aus Sharm. Die Ambulanz und Feuerwehr war direkt dort. Im Krankenhaus in Dahab waren dann insgesamt mit den freiwilligen Helfern 50 Ärzte im Einsatz, um den Verletzten sofort Erste Hilfe zu leisten. Alle haben zusammengehalten und geholfen, fremde Menschen und Kulturen - ein Team.

Betroffen sind europäische Touristen und natürlich Ägypter, die in den Restaurants bzw. im Supermarkt arbeiten. Einige Bekannte sind tot. Wir sind tief betroffen und fühlen mit den Angehörigen. Ungefähr 25 Menschen sind ums Leben gekommen......Es ist unfassbar, wenn man wirklich selbst mitten im Geschehen von einem Terroranschlag aus der täglichen Routine herausgerissen wird. Wie schnell es gehen kann.....Dabei hatten wir soeben das Gefühl, es geht aufwärts, mehr Gäste reisen wieder in den Sinai, der Terror hat es nicht geschafft - und nun das.

So erschreckend nah das Ganze für uns alle ist - dabei war es im letzten Jahr auch schon verdammt nah in Sharm - wir geben nicht auf und lassen uns von blindem und nutzlosem Hass nicht abschrecken. Wir lieben dieses Land, wir sind hier willkommen, die Ägypter sind sehr gastfreundliche Menschen. Wir geben nicht auf, und haben keine Angst vor feigen Anschlägen.

Es gibt nur diese eine Welt und jeder Mensch hier hat das Recht zu leben. In Frieden.

Letztes Jahr gab es das Motto in Sharm: We are not afraid.

Dieses Jahr sagen wir: We will not give up...

...und halten fest am Frieden, am Glauben.

We are one world.

An dieser Stelle ein großes Danke an alle Kunden und Freunde, die uns kontaktiert haben und mit uns fühlen.

Susanne Rossbach

 

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Meeresforscher Hans Fricke zu Besuch am RSEC in Dahab!

Anfang November erhielten wir in Dahab Besuch von keinem geringeren als Prof. Dr. Hans W. Fricke, Verhaltensbiologe, Riff-Forscher, Urfischjäger und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen (darunter einem Dutzend in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“), Artikel in „Geo“ und „National Geographic“ sowie einer langen Reihe von teilweise international prämierten Filmen.

Der einstige Konrad-Lorenz-Schüler, langjährige Forscher am Max-Planck-Institut in Seewiesen und derzeitige Honorarprofessor für Zoologie an der Universität München wurde weltweit vor allem bekannt durch seine Verhaltensstudien an Fischen und Wirbellosen im Korallenriff, seinen Forschungen zum Jahrhunderträtsel der Aalwanderungen und nicht zuletzt seinen Expeditionen mit dem Forschungstauchboot „Jago“ in den untermeerischen Dämmerzonen auf der Suche nach dem urweltlichen Quastenflosser Latimeria chalumnae bzw. seinem Verwandten Latimeria menadoensis.

Hans Fricke besuchte unsere Einrichtung, die „RSEC-Fazilitäten“ wie er es nannte, um uns und unsere Aktivitäten einmal vor Ort kennenzulernen. Der Meeresbiologe liess sich dabei ausgiebig Zeit und zeigte auch Interesse an einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit den Biologen vor Ort, Dr. Alexander Keck und Dipl.Biol. Christian Alter, sowie künftigen Studierenden am RSEC. Im Brennpunkt des Interesses standen dabei Themen wie etwa die Verbreitung von Korallenkrankheiten entlang des Golfes von Aqaba und die Zusammensetzung von Fischgemeinschaften bzw. deren Veränderung in Abhängigkeit von Umweltfaktoren entlang derselben Küstenlinie.

Das RSEC war freilich nur eine Station im Programm des ständig inspirierten (und andere Wissenschaftler inspirierenden), auch anscheinend unermüdlichen Forschers während seines derzeitigen Aufenthaltes in Ägypten bzw. im Nahen Osten. Eines seiner weiteren Anliegen waren Arbeiten an einer Feldstation in der Marsa Bareika (Nationalpark Ras Mohammed) und das Aufsuchen bestimmter Unterwasserhabitate in zwei weiteren Protektoraten des Südsinai.

Wir freuen uns zusammen mit dem RSEC auf weitere Kontakte mit Hans Fricke, insbesondere gemeinsamen wissenschaftlichen Projekten, und wünschen ihm bei seinen weiteren Forschungsvorhaben – die ihn u.a. auch in die norwegische Arktis führen - alles Gute und bestmöglichen Erfolg!

Alexander Keck

Mehr über Hans Fricke:

Hans Fricke - Forscher und Filmer
Die Urfischjäger - auf der Suche nach dem Quastenflosser
Neue Quastenflosser-Art entdeckt
Tauchboot "Jago"
Tiefsee-U-Boote für deutsche Forscher
Die Welt der Aale
Expdition zum nördlichsten Wrack der Welt

 

Hans Fricke

Hans Fricke

Hans Fricke


Nemos Aggressionen: Verhaltensforschung an Clownfischen

Miriam Reininger von der Universität Innsbruck untersuchte in den Sommermomaten in der RSEC-Feldstation in Dahab im Rahmen ihrer Diplomarbeit das Aggressions- und Feinderkennungsverhalten von Amphiprion bicinctus (Rotmeer-Anemonenfisch).

Clownfische (Anemonenfische der Gattung Amphiprion) leben paarweise oder in Gruppen in Symbiose mit Anemonen, die ihnen durch ihre Nesseltentakeln Schutz bieten. Adulte sind extrem territorial und bewegen sich nie weit von "ihrer" Anemone weg.
Die Untersuchungen wurden vornehmlich am Hausriff des RSEC, den "Islands", durchgeführt. Zu Beginn wurden die genauen Standortbedingungen erfasst: in welcher Tiefe die Anemonen vorkommen, sowie die weiteren Umgebungsparameter. Ebenso wurde die Anzahl der Anemonenfische in diesem Gebiet erfasst sowie das Verhältnis zwischen der Größe der Anemone und der Anzahl ihrer Bewohner. Diese Voruntersuchungen sind nötig, um ein vollständiges Bild des Lebensraumes von A. bicinctus zu bekommen und auch um die komplexen Zusammenhänge im Riff besser verstehen zu können.
Schnorchelnd und fallweise tauchend untersuchte Miriam Reininger die Verhaltensmuster von A. bicinctus im Tagesrhythmus sowie im Reproduktionszyklus. Eine der spannendsten Fragen war, ob und inwiefern sich die Aggressivität verändert, wenn die Fische ihren Laich bewachen.
Im zweiten Teil der Studie wurden die übergeordneten Feindschemata von A. bicinctus untersucht. Hierzu führte Miriam interessante Attrappenversuche durch, um Aussagen darüber zu bekommen, gegen welche Arten und in welcher Weise A. bicinctus aggressiv ist. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden mit den bereits in Österreich durchgeführten Aquarium-Beobachtungen verglichen.

 

clownfisch

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Die Dornenkrone im nördlichen Roten Meer

Das Neueste zur Dornenkrone ist, daß es zur Zeit keine Dornenkronen gibt. Übereifrige Tauchbasen wollten es dem RSEC nachmachen und haben sämtliche Seesterne aufgesammelt. Nun arbeitet ein Doktorand und eine Diplomandin an diesem Thema - die Gegenstände dieser Untersuchung fehlen aber. Weitere Diplomarbeiten zur Dornenkrone können wir zur Zeit nicht vergeben.

Das Dornenkronenproblem ist den meisten Biologen, Tauchern und naturkundlich Interessierten gut bekannt. Auch im nördlichen Roten Meer ist dieses Phänomen seit einigen Jahren ein Thema, wobei es mehr Fragezeichen als wirklich gut abgesicherte Antworten gibt. Obwohl es an Theorien und Hypothesen nicht mangelt, ist die Frage Warum Acanthaster planci plötzlich in enormer Individuenzahl auftritt und ganze Riffe zerstört, nicht wirklich wissenschaftlich beantwortet. Aus diesem Grund und da die Dornenkrone auch direkt vor unserem Haus in Massen auftritt, haben wir ein Forschungsprogramm gestartet. Eine Dissertation und merhrere Diplomarbeiten werden der Frage nachgehen (Doris Pröller kommt Ende Juni nach Dahab). Wir sind an Kontakten, Erfahrungsaustausch und Informationen sehr interessiert (siehe Diplomarbeiten).

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