Informationen zu El Quseir
El Quseir ist in Google Earth unter der Bezeichnung (Ägypten kosseir) zu finden. Wenn man dort nachschaut und ein wenig heraus zoomt, erkennt man einen wichtigen Grund für die Lage: Quseir liegt am Roten Meer am Wadi Hamamat, das die schnellste, weil kürzeste Verbindung zum Nil darstellt. Kosseir heißt wörtlich übersetzt: kurz.
Heute ist das Wadi leider für den touristischen Verkehr gesperrt. Ob öffentliche Busse durch das Wadi fahren, hat noch keiner von uns herausgefunden. Ergänzung: Es fährt ein ägyptischer Bus zum Nil und die Fahrt ist für europäische Nichtraucher ein Erlebnis, wenn der Fahrer überhaupt jemand mit nimmt. Früher dauerte die Durchfahrt mit Kamel ca. 5 Tage.
Es gibt Quellen (C. B. Klunzinger: Bilder aus Oberägypten, der Wüste und dem Rothen Meere. 1876, Reprint ISBN: 978-3-8364-3672-4) in denen die Existenz der Stadt schon im Altertum belegt wird. „Schon die Völker des Altertums haben hier volkreiche Städte gehabt, von denen ein lebhafter Handel mit Arabien und Indien nach Ägypten getrieben wurde, darunter auch Alt Kosseir.“ (Klunzinger S. 264) und „Probably the most famous ancient expedition through Al Quseir was the one deployed in 1493 BC by Queen Hatshepsut to the fabled land of Punt.” (Link)
Beim Bau des Mövenpick Resorts, 10 km nördlich vom heutigen Quseir wurden Überreste einer römischen Siedlung gefunden, der Hafen Myos Hormos, den auch Klunzinger schon gesucht, aber nicht gefunden hat. Heute ist ein großer Teil der englischen Ausgrabung des römischen Hafens leicht zu erkunden, allerdings nicht im Sommer.
Bis 1517 der Sultan Selim III den Handels- und Pilgerweg wieder an die afrikanische Küste gezo-gen hatte, gibt es keine Quellen über eine Ansiedlung. Schwierig war zu allen Zeiten die Wasserversorgung mit Trinkwasser. Klunzinger berichtet ausführlich über den Wassermarkt, auf dem jeden Morgen frisches Wasser von einer Karawane aus den Bergen geholt und hier verkauft wurde. (S. 274 ff).
Selim erbaute eine große, heute noch sehr gut erhaltene Festung zum Schutz der Pilger vor den Beduinen. Bis 1869 der Suezkanal eröffnet wurde, hatte der Vizekönig von Ägypten Mohammed Ali Pascha und Gefolge Kriege von der Festung aus gegen Arabien geführt. Die Pilger nahmen jetzt fast alle den Weg über den Kanal und die Bedeutung von Quseir verringerte sich schnell. Die Festung besitzt zwar eine sehr große Zisterne, die aber nie richtig genutzt wurde. Nur Trinkwasser für die Kamele wurde hier eine Zeit lang gespeichert.
Den nächsten großen Aufschwung erlebte El Quseir 1916 bis 1996 durch den Phosphatabbau in der Wüste durch eine italienische Bergwerksfirma. Das Phosphat wurde in der Wüste aus den Steinen gebrochen und mit einer kleinen Eisenbahn in den modernen Hafen gebracht, wo sich heute noch ein großes Betriebsgelände der Phosphatfirma befindet. Im ehemaligen Büro sind noch Seiten in den Schreibmaschinen eingespannt und im Eingangsbereich liegen hinter Glas ausgestopfte Trophäen der Jagd. Überdeckt mit Staub von über 10 Jahren. Im Betriebsgelände liegt eine sehr schöne katholische Kirche für die italienischen Bergwerksarbeiter, die heute koptisch ist. Die Kopten, die uns führten versicherten, dass es in El Quseir keinerlei Nachteile für sie im öffentlichen Leben gäbe. Dies ist eher in den Großstädten der Fall. Der Abbauplatz, also VOR ORT wurde auch sehr schnell von den Arbeitern verlassen. Es lohnt sich immer einen Ausflug nach „Ghost City“, in die verlassene Wüsten Minen Stadt, zu unternehmen.
Heute hat die Stadt ca. 30 tausend Einwohner und wächst ständig. Rund um das alte Stadtzent-rum, das sehr malerisch, aber auch für unseren europäischen Blickwinkel sehr ärmlich ist, erlebt El Queseir eine ungebremste Bautätigkeit, über die (neben anderen Eindrücken) in einem Blog
berichtet wird.
Die Hotels in allen Kategorien die man sich wünschen kann liegen außerhalb der Stadt ca. 15 km im Norden drei und in Richtung Süden bis Marsa Alam unzählige. Die Tauchbasen aller namhafter europäischer und ägyptischer Unternehmen sind fast ausschließlich den Hotels angebunden. Von dort werden Ausfahrten mit dem Pickup in schöne noch wenig betauchte Buchten oder seltener mit dem Boot zu nahen und fernen Riffen angeboten, wenn das Hausriff zu langweilig wird. Welche Auswirkung der Tauchtourismus hier hat, wird in einem umfangreichen Reef-Monitoring zurzeit vom RSEC untersucht und das Ergebnis bald veröffentlicht.
Die Feldstation des RSEC in El Quseir ist eine junge Einrichtung, die es sich zum Ziel macht für die biologische und ökologische Aufklärung der Urlauber und Tauchtouristen hier am Roten Meer zu sorgen. Im Interesse steht die Sensibilisierung der Gäste hinsichtlich des Naturschutzes und der Nachhaltigkeit.
Zum anderen bietet die Station Studenten und Interessierten die Möglichkeit sich im Bereich der Meeresbiologie, Riffökologie und des Umweltschutzes einzuarbeiten und zu engagieren. Volontariate im Rahmen der Aufklärungsarbeit oder kleinerer Forschungs- und Umweltprojekte können über kürzere oder längere Zeiträume absolviert werden. Die Feldstation bietet darüber hinaus Unterstützung und grundlegende Infrastruktur für Diplomanden und Masterstudierende, die ihre Datenaufnahme oder Beobachtungen im Freiland durchführen möchten. (RSEC Allgemeines Quseir
)
Eine ganz tolle Zusammenarbeit besteht zwischen RSEC und der Tauchbasis South Red Sea Diving Club, El Quseir im Utopia Resort. Von dort bekommen wir alle Unterstützung, die für unsere Tauchaktivitäten notwendig sind.
Was bedeutet es, in El Queseir zu leben? Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: El Quseir ist eine richtige ägyptische Stadt ohne touristischen Anklang. Alle Hotels befinden sich mehr oder weniger weit außerhalb der Stadt und die Gäste finden nur sehr selten nach Quseir hinein. Es gibt zwar einen kleinen Touristenbasar neben der Zitadelle, aber das sind gerade mal 10 Läden. Es gibt fast alles zu kaufen für Preise, die man nicht mit Europa vergleichen kann. Lebensmittel sind (außer Fleisch) äußerst billig, so dass man mit 100 AGP in der Woche pro Person auskommt. El Queseir ist eine sehr ruhige, manchmal für junge Studenten zu ruhige moslemische Stadt. Dafür gibt es sehr urige Kaffees wo man sich zu einem Tee und einer Shisha den Backgammon süchtigen Ägyptern dazu gesellen kann. Also alle lauten Geräusche haben einen moslemischen Hintergrund, egal ob das die Einladung zum Gebet ist, die man hier von ca. 10 Moscheen etwas zeit-versetzt ab 5 Uhr in der Frühe mitbekommt oder die laute Musik einer moslemischen Heirat, die von Abends bis zum Sonnenaufgang dauern kann. Alkohol gibt es nur inoffiziell zu kaufen, das gilt auch für Bier und Wein. Deshalb fahren vor allen Dingen europäische Tauchguides am Donnerstagabend 2 Stunden lang mit dem Taxi zu einer open Air Party mit viel lauter Musik und … alle (alkoholischen) Getränke sind in dem Eintrittspreis inklusive. Diese Tauchguides sind am nächsten Morgen eigentlich noch nicht für den öffentlichen Verkehr zugelassen.
Wohnen in El Queseir ist noch sehr billig, für ca. 80 m² zahlt man für europäischen Standard unmöbliert vergleichsweise wenig im Monat inklusive Wasser. Das Wasser wird in 1000l Behälter auf dem Dach gepumpt aber nur einmal pro Woche!!! Also kaltes Wasser hat am Abend eine Temperatur von ca. 35° C! Internet ist sehr teuer, da Europäer keine DSL Leitung bekommen. Dafür müsste ein Einrichtungspreis, keine Kaution, von 3000 AGP bezahlt werden. Ein weiteres Problem sind Ink Jet Drucker in der Hitze!!! Und funktionieren natürlich nur dann, wenn Strom da ist. Manchmal sehr willkommene Pausen haben wir durch Stromausfall bei langen intensiven Präsentationen für unsere Studenten.
Hendrik Bandmann (
h.bandmann(at)readsea-ec.org
)