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Aktuelles von der Feldstation in El Quseir:    

Wir sind aktiv, bei uns tut sich Vieles, was meeresinteressierte Naturfreunde begeistern wird: Unser Forum bietet täglich Aktuelles von den Feldstationen:

Die 20 letzten news aus dem Forum sind immer aktuell auf der Indexseite des RSEC zu finden, zusätzlich auch auf  fnz und mare-mundi.eu .

8. bis 12. April 2008
9. April: Heute kann man in El Quseir in vielen Buchten kaum ins Wasser gehen. Das liegt nicht nur am trüben Wasser und den stürmischen Bedingungen, sondern auch an den Massen der stark nesselnden Leuchtquallen (Pelagia noctiluca). Diese Art kennen auch die Liebhaber des Mittelmeeres, wo es in den letzten Jahren scheinbar immer regelmäßiger zu Massenentwicklungen kommt. Doch am Roten Meer sind solche eher selten, häufiger erlebt man Massenentwicklungen von Ohrenquallen (Aurelia aurita). Selbst langjährige Mitarbeiter von SUBEX sagen, dass sie solche Mengen dieser Quallen noch nie gesehen haben. Die Ganze El Quadim Bucht ist voll, das Wasser ist violett verfärbt, ähnlich wie bei Roten Tiden.

Pelagia noctiluca gehört zu den wenigen auch in europäischen Meeren vorkommenden Schirmquallen, deren Nesselkapseln die menschliche Haut durchdringen können und schmerzhafte Nesselverletzungen verursachen.
Die Nesselkapseln der Fangtentakel durchdringen die menschliche Haut. Durch das Nesselgift werden stechende Schmerzen ausgelöst (etwa doppelt so intensiv wie das Gift der Brennnessel) und es bilden sich Bläschen die nach 2-4 Wochen abheilen.

In den letzten Jahren häufen sich auch im Mittelmeer Meldungen über ungewöhnliche Massenvorkommen von Feuerquallen, die dann auch regelmäßig zu Strandsperrungen führen. Überraschend weit im Norden löste im Herbst 2007 vor der nordirischen Küste bei Antrim ein Feuerquallenschwarm den Tod von 100.000 Zuchtlachsen aus ( spiegel.de ). Als Gründe für diese Veränderungen der Feuerquallen werden oft Überfischung und globale Erwärmung angeführt, doch meiner Meinung nach sind es eher stark vereinfachte journalistische Darstellungen ... Die wirklichen ökologischen Zusammenhänge werden wohl recht komplex sein.

 

Team

Abu Dabbab

Pelagia

Pelagia

Pelagia

 

Delfine spielen Fußball (Schnabelball) mit einem Kugelfisch
9. April 2008

Heute haben wir in der Tauchbasis ein unglaublich schönes und spannendes Video gesehen. Nur für den Kugelfisch war es nicht so schön ... Aber er hat tapfer gekämpft ... David gegen Goliath ...
Und das war so: Vor 5-6 Tagen wurden Taucher von der SUBEX-Tauchbasis in Abu Dabab von Delfinen aufgesucht (wir waren zwei Tage später da und haben nichts gesehen ...). Es waren 4-5 Kleine Tümmler (Tursiops aduncus), auch Indopazifischer Großer Tümmler genannt. Die Taxonomie dieser Art ist etwas kompliziert, denn diese Art wird auch als Unterart des Großen Tümmlers angesehen. Ob der Große Tümmler Tursiops truncatus eine Art ist oder in Wahrheit in zwei oder drei Arten unterteilt werden muss, ist nach wie vor umstritten. Während die meisten Zoologen die insgesamt 3 Formen in letzter Zeit höchstens für Unterarten einer einzigen Art hielten, hat Dale W. Rice in seinem Standardwerk Marine Mammals of the World. Systematics and Distribution (1998) in aduncus wieder eine eigenständige Art gesehen, dagegen aber gillii als Unterart von truncatus eingeordnet.

Diese systematisch-taxonomische Streitfrage hat aber die glückliche Tauchergruppe in Abu Dabab nicht interessiert. Sie hielten Ausschau nach dem Dugong, der aber nicht zu sehen war. Dafür waren auf einmal die Delfine da. Auch nicht schlecht ... Die Tiere  zeigten überhaupt keine Scheu, es hat ihnen vielmehr Spaß gemacht vor den Tauchern Fußball mit einem Kugelfisch zu spielen. Gut, es ist in diesem Fall eher ein Schnabelball, denn Füße haben ja Delfine nicht ...

Der Kugelfisch hat tapfer versucht gegen die Delfine zu "kämpfen" und hat sich - wie es in seiner Sippschaft so üblich ist - voll mit Wasser zu einer Kugel aufgepumpt (Kugelfische bei wikipedia ). Er hat sogar versucht zurück zu beißen ... Die Delfine haben ihn aber letztlich wieder „schwimmen lassen“. Sie wollten einfach nur spielen ... Sicherlich wissen sie auch, dass Kugelfische nicht so gesund sind ... Hauptbestandteil des Giftes der Kugelfische ist Tetrodotoxin (TTX), das sich besonders in Haut, Leber und Eierstöcken des Fisches befindet, aber nicht im Muskelgewebe. Tetrodotoxin verdankt seinen Namen der Familie der Kugelfische (Tetraodontoidei) und wurde erstmals 1950 aus den Ovarien eines Kugelfisches isoliert. Dieses Nervengift ist eines der stärksten bekannten, nicht proteinartigen Gifte: Die tödliche Dosis beträgt nur etwa 10 µg/kg Körpergewicht. Es wirkt nur auf die Körpernerven, nicht auf das Gehirn − die Opfer werden vollständig gelähmt und können sich weder bewegen noch sprechen, bleiben aber bei Bewusstsein. Sie sterben dann an durch die Lähmung bedingtem Atemstillstand und folgender Erstickung oder aber an Herzstillstand. Wenn Atmung und Kreislauf schnell genug durch Notfallmaßnahmen in Gang gehalten werden, klingt die Giftwirkung innerhalb etwa 24 Stunden ab, und die Opfer erleiden keinen bleibenden Schaden.
Es wird davon ausgegangen, dass die verschiedenen Arten der Kugelfische das Nervengift nicht selbst synthetisieren. Bakterien, die der Fisch vermutlich durch die Nahrung (z. B. verschiedene Krebstiere, Würmer und Rotalgen) aufnimmt, werden hierfür verantwortlich gemacht. So wurden beispielsweise Pseudomonasbakterien bei der Art Fugu poecilonotus und verschiedene Vibrionen, wie das Bakterium Vibrio aIginolyticus bei Fugu vermicularis ssp. vermicularis, gefunden. Diese Bakterien gelten als TTX-Produzenten. Man kann von einer Symbiose zwischen den Fischen und Bakterien ausgehen. Der Fisch ist durch den speziellen Aufbau seiner Nervenzellen gegen das Gift resistent und profitiert durch die ermöglichte Verteidigung und liefert den Bakterien wiederum einen Lebensraum, in dem sie sich vermehren können. Die These, dass Bakterien die Giftbildung verursachen, wurde allerdings wieder angezweifelt.

All das spielte sich 10 Minuten lang direkt vor der Videokamera eines Tauchers in 3 bis 6 Meter Tiefe ab ... Ich habe den glücklichen Kameramann gefragt, vielleicht bekommen wir einige Minuten des Materials für unser Forum ...

 

Kl- Tümmler

Arothron hispidus

Ökobucht